Der Asset Manager der Schweizer Privatbank Pictet setzt bei Aktien vor allem auf Europa. Im Vergleich zu amerikanischen, aber auch eidgenössischen Aktien werden Titel von europäischen Firmen zurzeit zu einem Allzeit-Tiefstpreis gehandelt, sagte Luca Paolini im Rahmen einer Kundenveranstaltung in Wien. Für den Chefstrategen von Pictet Asset Management ist Europa vielleicht sogar die "Wette des Jahrhunderts".

Die Anleger schätzen die Lage seiner Einschätzung nach viel zu pessimistisch ein. Denn trotz kurzfristiger Risiken seien europäische Aktien vergleichsweise attraktiv. Neben niedrigen Bewertungen hob Paolini vor allem bessere Wachstumsaussichten und ein günstigeres geldpolitisches Umfeld in der Eurozone hervor. Was die US-Notenbank und die vielfach zitierte Zinswende betrifft, seien Anleger hingegen zu optimistisch eingestellt. Bis Jahresende erwartet der Pictet-Chefstratege zwar zwei Erhöhungen, die Auswirkungen auf die Märkte hielten sich aber in Grenzen. "Europäische Aktien werden outperformen", ist er summa summarum überzeugt.

Gute langfristige Chancen räumt der Paolini auch Aktien aus Schwellenländern ein. Die Rally in den aufstrebenden Märkten sei seiner Meinung nach vor allem wegen eines gemischten China-Ausblicks unterbrochen. Historisch betrachtet gebe es aber gute Nachrichten: Zum einen sprächen die – im Vergleich zu den meisten Industrienationen – niedrigere Verschuldung und bessere demografische Lage für ein Investment. Und zum anderen entwickelt sich die Anlageklasse immer dann besonders gut, wenn der US-Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert verliert. 

"Dollar näher sich markanter Trendwende"
Und das könnte schon in den kommenden Monaten der Fall sein – zumindest, wenn man den Prognosen von Pictet Asset Management Glauben schenken darf. Diese zeigen nämlich, dass der US-Dollar aktuell um bis zu 20 Prozent über seinem fairen Wert notiert. "Der US-Dollar nähert sich einer markanten Trendwende", so Paolini. Ihm zufolge könnte der "Greenback" aber noch eine letzte Rally erleben, ehe ein längerer Abwärtstrend einsetzt.

Anleiheninvestoren rät Paolini hingegen, Hochzinspapiere und Schuldtitel aus Schwellenländern stärker zu gewichten – falls das nicht schon längst geschehen ist. Mit Staatsanleihen sei seiner Meinung nach mittel- bis langfristig nicht viel zu verdienen. Vor allem Schwellenländer-Anleihen seien langfristig attraktiv, so Paolini. Die Inflationsaussichten sind besser als in den Industriestaaten und die lokalen Währungen massiv unterbewertet.

Gold: Preisanstieg bis zu 50 Prozent erwartet
Nicht zuletzt setzt man bei Pictet Asset Management auch wieder verstärkt auf Gold. Auch in Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) sei ein Exposure sinnvoll. Längerfristig sei das gelbe Edelmetall die "beste Absicherung gegen geopolitische Risiken". Die Strategen rechnen sich in den nächsten Jahren einen Preisanstieg von bis zu 50 Prozent aus. (dw)