Anleger schwelgen aktuell im Optimismus, sagt Axel Botte, Marktstratege beim französischen Vermögensverwalter Ostrum Asset Management (Ostrum AM). '"Die Märkte sind offensichtlich fest entschlossen, sich aus der Flut von Nachrichten nur die guten herauszupicken", so Botte. Aus seiner Sicht könnte dieses Verhalten mit den bevorstehenden Sitzungen der Zentralbanken zu tun haben. Speziell die Europäische Zentralbank (EZB) werde in ihrer nächsten Sitzung am 12. September den Leitzins voraussichtlich auf minus 0,5 Prozent senken.

Dies werde wohl lediglich der erste einer Reihe von Zinsschritten sein, die die sogenannten Strafzinsen im kommenden Jahr auf bis zu minus 0,8 Prozent drücken könnten. '"Die ersten Kommentare der nächsten EZB-Präsidentin Christine Lagarde deuten auf eine Fortsetzung der derzeit von Mario Draghi verantworteten geldpolitischen Lockerung hin", sagt Botte. Darüber hinaus erhöhe die Wiederaufnahme der Anleihekäufe durch die Notenbank den Abwärtsdruck auf die Anleiherenditen an den Kredit- und Staatsanleihenmärkten. Anleger werten dies offenbar als positives Signal.

Risiko einer Erwartungsblase
Der Anlagestratege sieht das Risiko einer Erwartungsblase: '"Die EZB wird daher versuchen, die Märkte nicht negativ zu überraschen." Um Störungen an den Anleihe- und anderen Kapitalmärkten zu vermeiden, müsse die Notenbank ihre Handlungen sehr bedacht kommunizieren. Ostrum AM gewichtet europäische Zinstitel vorerst weiterhin über, vor allem Bonds aus der Peripherie. '"Während die Schuldendynamik auf lange Sicht besorgniserregend bleibt, dürften kurz- und mittelfristige Anleihen weiterhin eine Outperformance aufweisen", sagt Botte. (fp)