Noch ist Open Banking nicht ausgereift, doch schon tritt die Finanzdienstleistungsbranche in eine neue Phase der Innovation ein: "Open X". Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten World Retail Banking Report (WRBR) von Capgemini und Efma hervor.

"Ein simpler Open-Banking-Ansatz, in dem Drittanbietern eine Schnittstelle zu Bankdienstleistungen und Daten zur Verfügung gestellt wird, reicht nicht mehr. Es geht inzwischen um eine Open-X-Mentalität, mit der Banken als auch neue Akteure am Markt ihre Kräfte bündeln, um Finanz- und ergänzende Dienstleistungen gepaart mit einem echten digitalen Erlebnis anzubieten", so Klaus-Georg Meyer, Leiter Business and Technology Consulting für Banken bei Capgemini in Deutschland. "Letzten Endes werden die Banken erfolgreich sein, die ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und rechtzeitig die Partnerschaft mit Fintechs wie auch Akteuren aus anderen Branchen eingehen."

Weitere wichtige Ergebnisse des World Retail Banking Reports 2019:

  • 75 Prozent der technisch versierteren Kunden nutzen derzeit mindestens ein Finanzprodukt, das von einem sogenannten Big Tech wie Apple, Google, Amazon oder Facebook stammt.
  • Die drei wichtigsten Gründe für Kunden, Finanzprodukte von nicht traditionellen Anbietern zu nutzen, sind: niedrigere Kosten (70 %), Benutzerfreundlichkeit (68 %) und schnellerer Services (54 %).
  • Mehr als 80 Prozent der Kunden, bei denen ein Wechsel ihrer Hausbank in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich ist, wickeln bereits jetzt Zahlungen über Big Techs sowie andere Konkurrenten ab, nutzen deren Kartenangebote und Bankkonten, oder werden dies in den nächsten drei Jahren tun.
  • Die Einführung von Open Banking verlief bislang schleppend – nur 33 Prozent der befragten Bankmanager gaben weltweit an, dass sie es effektiv umgesetzt haben.

Kreativität ist gefragt
Die Transformation zu einem effizienten Dienstleister in der Open-X-Ära, der nah am Kunden und dessen Kundenerlebnis steht, erfordert laut dem World Retail Banking Report eine effektive Zusammenarbeit mit FinTechs sowie den Schritt hin zur kreativen Bank. Es gilt, so folgern die Studienautoren, dass Banken bei der Wahl ihrer Partner strategisch diejenigen auswählen, die das eigene Produktportfolio ergänzen, die Servicequalität verbessern, den Umsatz steigern und zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit in der Lage sind. (mb)