Hat der Wirtschaftsaufschwung bereits seinen Höhepunkt erreicht? Könnte sein, sagt Jean-Marie Mercadal, Chefstratege bei Ofi Asset Management, in einem aktuellen Kommentar. Als Gründe dafür führt er die Produktknappheit in manchen Bereichen an, eine durch die gestiegenen Preise möglicherweise schwindende Konsumfreude und das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China. Sein Schluss: "Die Zukunft könnte deutlich komplizierter werden."

Bislang haben Mercadal zufolge zwei Kräfte die Märkte angetrieben: "Die Fortsetzung eines robusten wirtschaftlichen Aufschwungs und die Beibehaltung einer sehr akkommodierenden Geldpolitik, die für reichlich Liquidität gesorgt und die Renditen trotz des Inflationsanstiegs auf einem sehr niedrigen Niveau gehalten hat." Inzwischen sind viele gute Nachrichten allerdings bereits an den Kapitalmärkten eingepreist, glaubt der Ofi-Chefstratege.

Schwankungen nehmen zu
Der Vermögensprofi erwartet, dass es bis Jahresende kaum klare Trends an den Märkten geben wird, "wobei die Phasen wahrscheinlich volatiler sein werden als in der ersten Jahreshälfte". Die Ankündigung der US-Notenbank, ihre Anleihekäufe zurückzufahren, sei bereits eingepreist. An den Märkten für Unternehmensanleihen lauern Mercadals Einschätzung zurzeit keine Gefahren. Das größte Risiko sieht er in einem unkoordinierten und zu schnellen Anstieg der Zinssätze, sollten die Zentralbanken aufgrund der anhaltend hohen Inflation unter Handlungsdruck geraten. "Wir halten ein solches Szenario derzeit jedoch für unwahrscheinlich." (fp)