Anleger sollten jetzt nicht in Trübsinn versinken, sondern sich fragen, was nach der Coronakrise kommt, sagt Jean-Marie Mercadal, Chefanlagestratege von Ofi Asset Management. So hat die Pandemie schonungslos die Schwächen der etablierten Volkswirtschaften offengelegt: die Anfälligkeit der globalen Lieferketten, lückenhafte Internetsicherheit und -infrastruktur, Mängel in der nationalen Sicherheit. Das dürfte allerdings nicht dazu führen, dass die Globalisierung zurückgedreht wird, warnt Mercadal. "Eine Rückkehr zu Nationalisierung und Zentralismus würde den Wohlstand gefährden", sagt er.

Idealerweise wird nur dort nachgebessert, wo es Not tut – etwa bei der Abhängigkeit von Zulieferern. "Die Debatte darüber hat bereits mit dem Handelskrieg begonnen", sagt der Ofi-Stratege. "Die aktuelle Krise hat uns noch stärker vor Augen geführt, dass unsere Volkswirtschaften zu stark von internationalen Subunternehmern abhängig sind." Mercadal geht davon aus, dass der Gesundheitssektor, die Nahrungsmittel- und Energieversorgung sowie möglicherweise die Verteidigung künftig anders strukturiert werden. 

Internet und Umwelt als Gewinner
Als größten Nutznießer der Viruskrise hat der Anlageexperte die Online-Welt ausgemacht. "Die Netzinfrastruktur, Internetsicherheit, 5G und Videokonferenzen werden für die dezentrale Arbeit immer wichtiger, insbesondere, weil sich die Arbeit im Home-Office wahrscheinlich weiter durchsetzen wird", urteilt er.

Auch die Themen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) könnten durch die Pandemie klar an Bedeutung gewinnen, sagt Mercadal. "In der Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und fair mit ihren Stakeholdern umgehen, stärker von Investoren nachgefragt werden." (fp)