Heuer soll die Aufsicht über die Wertpapierfirmen (WPF) komplett neu aufgestellt werden. Das verlangen die EU-Investment Firms Directive (IFD) sowie die Investment Firms Regulation (IFR). Darin ist vorgesehen, dass WPF künftig in drei Klassen eingeteilt werden. Je nach Größe gelten dann unterschiedliche Kapital- und Liquiditätsanforderungen. Im Berichtswesen, bei der Unternehmensführung sowie bei Vergütungen gibt es ebenfalls proportional angepasste Pflichten.

Veröffentlicht wurden IFD und IFR bereits im Dezember 2019 im  Amtsblatt der Europäischen  Union. Die Anwendbarkeit beginnt in gut einem Monat, am 26. Juni. Doch wie momentan auch bei anderen Finanz-Materien, etwa der Offenlegungsverordnung, gibt es in Österreich noch immer keine nationale Begleitgesetzgebung, welche die FMA zur zuständigen Behörde ernennt. Wie die FMA gegenüber der Redaktion erklärt, steht bisher nur fest, dass es in Österreich keine Unternehmen in der höchsten Aufsichtsstufe (Klasse 1) geben wird. Diese Kategorie wird streng wie Kreditinstitute beaufsichtigt.

Drei Klassen
Unter Klasse eins  fallen systemrelevante Firmen mit bankähnlichen Risiken und einer  konsolidierten Bilanzsumme von über 15 Milliarden Euro, die auf eigene Rechnung handeln oder Finanzinstrumente emittieren. Bei Bilanzsummen von fünf bis 15 Milliarden Euro kann die Aufsicht Kreditinstituts-Pflichten vorschreiben. WPF mit  mehr als 30 Milliarden Euro in der Bilanz gelten als Kreditinstitute, sie werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) direkt beaufsichtigt. Klasse zwei umfasst nicht systemrelevante WPF, die gewisse Schwellenwerte überschreiten wie etwa ein verwaltetes Vermögen von über 1,2 Milliarden Euro oder Kundenaufträge von 100 Millionen Euro pro Tag für Kassageschäfte beziehungsweise von einer Milliarde Euro täglich für Derivate.

Weiterhin müssen für eine Einstufung in Klasse zwei eine bilanzielle und außerbilanzielle Gesamtsumme der WPF von 100 Millionen Euro oder jährliche  Bruttogesamteinkünfte von 30 Millionen Euro vorliegen. Für  Klasse-zwei-WPF gibt es maßgeschneiderte Kapitalanforderungen. Klasse drei betrifft kleine und nicht verbundene WPF, die diese Schwellenwerte nicht überschreiten und die geringe Risiken für die Finanzstabilität haben.  

Tatsächlich Erleichterungen?
Die Frage, ob die neuen Regeln für das Gros der in Österreich beaufsichtigten WPF im Vergleich zum Staus quo Erleichterungen oder Erschwernisse bringen werden, wollte eine FMA-Sprecherin nicht beantworten. Jedenfalls dürfte den Unternehmen in den kommenden Monaten einiger Aufwand ins Haus stehen, denn die für die Einteilung erforderlichen Daten müssen an die Behörde gemeldet werden. Die Meldung seien für Herbst vorgesehen, so die Sprecherin. Nach der Auswertung aller vorliegenden Daten sei damit zu rechnen, dass die Klasseneinteilungen erst ab Februar 2022 vollständig sein werden. Insbesondere da es für kleine WPF Ausnahmen bei der Meldung gibt und sie ihre Daten erst im Rahmen der Jahresmeldung vorliegen werden.

Bei den österreichischen Wertpapierfirmen habe es nach der Finanzkrise eine Marktbereinigung gegeben. "Seitdem ist eine höhere Professionalität der Anbieter – weniger Kunden, mehr professionelle Kunden und ein höheres verwaltetes Vermögen – erkennbar", so die Sprecherin. Das Verhältnis des betreuten Vermögens professioneller Kunden zu jenem von Privatkunden lag laut FMA Ende 2020 bei neun zu eins. Dieser Trend zur Spezialisierung der Unternehmen halte an.

Fokus verstärkt auf externem Vertrieb
Die 112 von der Behörde konzessionierten Wertpapierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen haben im Vorjahr zusammen ein Kundenvermögen von rund 51 Milliarden Euro betreut. Neben professionellen Kunden und Großkunden liege "verstärkt ein Fokus auf dem externen Vertrieb", heißt es im neuen FMA-Bericht 2020. 40 Prozent der Wertpapierunternehmen setzen demnach externe Vermittler ein, ihr Anteil am Umsatz beträgt in etwa 25 Prozent. (eml)