Die Bilanzsumme der österreichischen Versicherungen sank im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum ersten Quartal 2019 um rund sechs Milliarden Euro auf einen Bestand von 132,1 Milliarden Euro (minus 4,3 Prozent). Das ist das tiefste Niveau seit Erhebungsbeginn der EZB-Versicherungsstatistik im Jahr 2016, wie eine aktuelle Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt.

Überwiegend ist der Bilanzschwund auf Kursverluste im Ausmaß von 4,4 Milliarden Euro bei den Wertpapieren der Versicherer zurückzuführen – ausgelöst durch die Finanzmarktturbulenzen im Umfeld der Corona-Pandemie. Ein weiteres Minus von 2,2 Milliarden Euro entstand durch Nettotransaktionen (Wertpapierkäufe minus Verkäufe). Dem standen nur leichte Wertzuwächse in Höhe von rund 0,7 Milliarden Euro bei den restlichen Bilanzpositionen gegenüber.

Wertvernichtung im ersten Quartal
Allein im ersten Quartal verloren die Investmentbestände der heimischen Versicherer 6,8 Milliarden Euro an Wert. Dazu trugen Aktien und sonstige Anteilsrechte, die eigentlich das kleinste Wertpapiersegment der Austro-Versicherer darstellen, mit einem Minus von 2,3 Milliarden Euro sehr deutlich bei. Der Kursverlust lag hier bei 11,7 Prozent.

Investmentfonds hatten in der heißen Phase 2020 mit 8,6 Prozent einen etwas geringeren Kursverlust, der sich aber aufgrund der Größe des Segments mit einem Minus von 3,2 Milliarden Euro in absoluten Zahlen kräftiger niederschlug. Fonds sind mit einem Bestand von 33,8 Milliarden Euro nach Anleihen die zweitwichtigste Veranlagungskategorie der Assekuranzen.

Kleine Jahreswachstumsrate bei Fonds
Positiv ist zu erwähnen, dass die Versicherungen zuletzt offenbar stark auf Fonds gesetzt haben – besonders im zweiten Quartal 2019 wurde viel zugekauft, wie die OeNB-Analyse zeigt. Das Resultat: Von Q1 2019 auf Q1 2020 bleibt beim Fondsbestand der Versicherungen trotz der heurigen Kursverluste und der starken pandemie-bedingten Verkäufe eine kleine Jahreswachstumsrate von 0,1 Prozent über. Anleihen und Aktien sind hingegen in dieser Statistik negativ.

Anleihen büßten um 2,4 Prozent an Wert ein (beziehungsweise 1,3 Milliarden Euro). Festverzinsliche Anlagen wurden im Übrigen von den Versicherern stark abverkauft und es gab wenige Zukäufe. Eine Rolle spielte dabei auch, dass es wenige Neuemissionen gab und damit die Veranlagungsbreite schrumpfte, wie es heißt. Anleihen machen dennoch weiterhin mit einem Bestand von 53,1 Milliarden Euro den größten Teil der Wertpapieranlagen der österreichischen Versicherer aus.

Inzwischen dürfte sich die Stimmung wieder aufgehellt haben, schließlich haben sich die Finanzmärkte erholt. Mittelfristig sollten die Kursverluste der österreichischen Versicherungsunternehmen wieder kompensiert werden können, schreiben die OeNB-Analysten. (eml)