Laut der Branchenklimaanalyse der Unicredit Bank Austria muss die österreichische Wirtschaft bis Jahresende mit deutlichen Wachstumsverlusten rechnen. Das geht aus einer Aussendung hervor. Sowohl bei Industrie und Handel als auch bei den Dienstleistungen seien die Produktions- und Geschäftserwartungen für die kommenden Monate ins Minus gerutscht, heißt es.

Die Daten zeigen die Entwicklung von Produktion und Umsätzen bis September 2022 versus den Konjunkturbefragungsergebnissen vom Oktober 2022. Demnach sind die Produktions- und Geschäftserwartungen im Oktober nur mehr in der Bauwirtschaft, der Elektronik- und Maschinenbauindustrie und in einigen Dienstleistungssparten im Bereich der Freien Berufe mehrheitlich optimistisch geblieben.

Die Befragung signalisiere, dass die Wirtschaftsleistung in Österreich bis Jahresende leicht sinken wird. "Da aber die Industrie und der Bau im Sektordurchschnitt noch eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und eine überwiegend positive Beurteilung ihrer Auftragslage berichten, sollte der Abschwung nicht tief und nur kurz ausfallen", sagt Unicredit-Bank-Austria-Ökonom Günter Wolf.

Personalknappheit löst Materialmangel ab
In der Industrie hat das Thema Materialmangel an Brisanz verloren: Hatten im zweiten Quartal dadurch noch 41 Prozent Produktionsbehinderungen erwartet, sind es für das vierte Quartal 2022 "nur" noch 28 Prozent der Unternehmen. Gleichzeitig haben aber der Mangel an Arbeitskräften und Nachfrageprobleme an Bedeutung gewonnen. Überdurchschnittlich von Materialsorgen belastet sind noch Kfz-, Elektronik und Maschinenbau.

Elektronikindustrie und Maschinenbau verzeichnen im Oktober noch gut gefüllte Auftragsbücher. Auch die Kapazitätsauslastung beider Branchen liegt mit jeweils rund 90 Prozent deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Verlangsamung der Konjunktur infolge der wirtschaftlichen Unsicherheiten und der hohen Energiepreise werde die Nachfrage nach neuen Maschinen bremsen. Allerdings können Österreichs Maschinenbauer europäische Nachfrageeinbußen teils in außereuropäischen Märkten ausgleichen. In China und den USA ist die Konjunktur etwas robuster. In allen anderen größeren Industriebranchen seien die Produktionserwartungen im Oktober pessimistischer geworden. 

Bauwirtschaft arbeitet weiterhin auf hohem Niveau
Die Bauproduktion ist 2022 bis September um durchschnittlich 14,7 Prozent und damit stärker als in den vergangenen zwei Jahrzehnten gestiegen. Seit dem dritten Quartal ist die Baukonjunktur etwas abgekühlt, die Kapazitätsauslastung ist leicht gesunken. Gleichzeitig liegt die Auslastung im vierten Quartal aber noch über dem Zehnjahresschnitt. Der Konjunkturbefragung zufolge wächst die Nachfrage nach neuen Wohn- und Wirtschaftsbauten seit Monaten schwächer als die Nachfrage nach Modernisierungs- und Ausbauarbeiten. Die Neubaubewilligungen im Wohnbau sind von einem sehr hohen Niveau kommend bereits seit zwei Jahren rückläufig.

"Die Bauwirtschaft verliert 2022 im Vorjahresvergleich zwar an Schwung, wird aber das Jahr mit einem kräftigen nominellen Plus beenden", sagt Wolf. Hoch- und Tiefbau würden von Förderungen für Klimaschutzmaßnahmen profitieren. Mit der leichten Abkühlung der Baukonjunktur seit Jahresmitte hat sich auch der Baukostenanstieg etwas verlangsamt und erreichte zuletzt im September 7,4 Prozent. In weiterer Folge dürfte der Anstieg der Baupreise ebenfalls an Schwung verloren haben. (eml)