Die Österreichische Nationalbank (OeNB) beobachtete im Jahr 2020 sowohl in Österreich als auch im Euroraum "ein verstärktes Aufkommen negativer Zinssätze bei Unternehmenseinlagen". Im Dezember 2020 lag der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für täglich fällige Unternehmenseinlagen in Österreich erstmals im negativen Bereich: Alle diese Gelder zusammengerechnet waren durchschnittlich mit minus 0,002 Prozent verzinst.

Damit vertieft sich das bereits bestehende Negativzinsumfeld auch in Österreich weiter. Bereits seit längerem sind Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr negativ: Im Dezember 2020 waren die gesamten bis zu einjährigen Neuveranlagungen mit einem Zins von minus 0,14 Prozent belegt. Im Jänner 2021 lag der durchschnittliche Zins in dieser Kategorie sogar bei minus 0,26 Prozent.

Auch im Euroraum war das Phänomen negativer Einlagenzinssätze laut OeNB "insgesamt sehr weit verbreitet". Auf täglich fällige Unternehmenseinlagen im gesamten Euroraum wurde ein Durchschnittszinssatz von minus 0,01 Prozent verrechnet. Bei Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bei waren es minus 0,20 Prozent.

Negativ-Werte in Deutschland noch viel höher
In Deutschland war das Ausmaß noch viel größer: Hier schlugen sich negative Zinssätze bei kurzfristig neu vergebenen Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr nicht nur bei Unternehmen (minus 0,42 Prozent) durch, sondern in dieser Kategorie erstmals auch bei privaten Haushalten (minus 0,01 Prozent).

Trotz stärkerer Verbreitung von negativen Zinssätzen stiegen Unternehmenseinlagen bei Banken im Jahr 2020 sowohl in Österreich (19,7 Prozent) als auch im Euroraum (19,4 Prozent) sprunghaft an, wofür nicht zuletzt aufgeschobene Investitionen ein maßgeblicher Grund sein dürften.

Negativzinsverbot auf private Spareinlagen
In Österreich sind negative Einlagenzinssätze auf Spareinlagen privater Haushalte aufgrund eines OGH-Urteils nicht möglich. Neue Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr waren im Dezember 2020 mit durchschnittlich 0,23 Prozent verzinst (Euroraum 0,16). Die Werte schwanken aber offenbar stark: Im Jänner 2021 lag der Durchschnittszins für Neuveranlagungen in Österreich nur bei 0,18 Prozent. Ob und in welchem Ausmaß sich der Rückzug der ING Bank aus dem österreichischen Privatkundengeschäft hier niederschlagen wird, sollen dann laut OeNB die Daten für März zeigen. Es gab ja bereits erste Hinweise, dass manche Banken ihre Zinssätze senkten. (eml)