Das Ergebnis aus zwei Untersuchungen am heimischen Anlegermarkt verspricht eine gute Zeit für Finanzberater – gleichzeitig aber müssen sie unverändert alte Hürden überwinden. Die positive Nachricht: Acht von zehn Österreichern wollen in den kommenden zwölf Monaten Geld sparen oder anlegen. Und zwar im Durchschnitt 4.800 Euro, wie eine Integral-Umfrage im Auftrag von Erste Bank und den Sparkassen zeigt. Das sind 200 Euro mehr als noch im Vorjahr. Die Laune der Anleger ist also durchaus gut.

Besonders hervorzuheben ist, dass derzeit auf 29 Prozent der Befragten in diverse Wertpapiere anlegen wollen. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im zweiten Quartal des Vorjahres. "Angesichts der anhaltenden Nullzinsen ist das eine gute Entwicklung. Ohne Wertpapiere im Portfolio lässt sich heute kein Ertrag erwirtschaften", so Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank Österreich. Erfreulich ist außerdem das Plus von drei Prozentpunkten bei der Pensionsvorsorge (34 Prozent).

Allerdings: Die beliebtesten Anlageformen bleiben weiterhin das Sparbuch mit 59 Prozent (plus zwei Prozentpunkte), der Bausparvertrag mit 49 Prozent (plus zwei Punkte) und die Lebensversicherung mit 34 Prozent (ebenfalls plus zwei Prozentpunkte). Diese konservativen Varianten boomen ungeachtet der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Befragten die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für schlecht hält.

Die Frage nach dem Warum
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine weitere Studie von J.P. Morgan Asset Management. Diese beleuchtet, warum die Österreicher zwar angesichts des langjährigen Niedrigzinsumfelds unzufrieden mit den Erträgen ihrer Geldanlage sind, aber dennoch ihr Anlageverhalten nicht verändern. 49 Prozent der Österreicher sagen demnach, dass sie Angst vor Schwankungen beziehungsweise Verlusten haben. 35 Prozent glauben, sie hätten nicht genug Geld, um am Kapitalmarkt zu investieren. Und 31 Prozent geben an, dass sie das Thema nicht verstehen und deshalb lieber die Finger von Investments lassen.

Solche Argumente müssten kein Hinderungsgrund sein, vom Sparer zum Anleger zu werden, sagt Christoph Bergweiler, Leiter Österreich, Deutschland, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland bei J.P. Morgan AM. Er verweist zum Beispiel auf Sparpläne, mit denen Anfänger durch geringe regelmäßige Beträge und ohne viel Vorerfahrung einsteigen können.

Fehlende Beratung, hohe Kosten
Finanzberater werden darüber hinaus noch mit anderen Anlegersorgen konfrontiert: 23 Prozent der befragten Österreicher sagen, sie investieren nicht am Kapitalmarkt aus Sorge, nicht jederzeit über das Kapital verfügen zu können. 15 Prozent nennen fehlende Beratung als Grund und 13 Prozent zu hohe Kosten. Klar sei, dass Investmentfonds und eine gute Anlageberatung mit Kosten verbunden sind, so Bergweiler. Das Argument zähle aber kaum, wenn den Kunden durch Bareinlagen bei anziehender Inflation reale Verluste drohen, während man in einem Investmentfonds bereits durch geringe Beträge von breit gestreuten Kapitalmarktchancen profitieren könne.

Derzeit liegen über 260 Milliarden Euro Erspartes der Österreicher in kaum verzinsten Spareinlagen, so Bergweiler. Würde nur ein Zehntel davon in höher rentierliche Aktien oder Mischfonds investiert, ließe sich die Gesamtrendite eines Portfolios deutlich steigern, "ohne das Risiko maßgeblich zu erhöhen". In den vergangenen zehn Jahren hätten Barmittel durchschnittlich annualisiert 1,2 Prozent real eingebracht. Im Vergleich dazu lag der Ertrag mit Anleihen bei 6,3 Prozent, bei einem breit gestreuten Portfolio waren es 6,6 Prozent und mit Aktien blickt man auf 7,7 Prozent. Die durchschnittlichen Ertragserwartungen seien für die kommenden zehn Jahren zwar niedriger. Allerdings liegen sie laut Bergweiler deutlich über dem, was man auf dem Sparbuch erwarten kann. (eml)