Die meisten Österreicher glauben, dass sich Löhne, Pensionen und Kaufkraft in den vergangenen Jahren zu ihren Ungunsten entwickelt haben, während das Gegenteil der Fall ist. Auch beim Pensionsantrittsalter liegen sie daneben. Das zeigt ein "Meinungscheck" des Gallup Instituts und des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO).

Zum Beispiel glauben über 60 Prozent, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter in den vergangenen vier Jahrzehnten um deutlich mehr als drei Jahre gestiegen ist. In der Realität hat sich das Regelpensionsalter (60 Jahre bei Frauen, 65 Jahre bei Männern) in dem Zeitraum allerdings nicht verändert. Die Wahrnehmung sei "offensichtlich stark von der medialen Präsenz des Themas und den gestiegenen Altersgrenzen bei den vorzeitigen Alterspensionen geprägt", sagt Studienautorin WIFO-Pensionsexpertin Christine Mayrhuber.

Pensionen real um 1,3 Prozent jährlich gestiegen
Negativ ist auch die Stimmung zur ausbezahlten Alterspension. Ein Fünftel geht von einer Stagnation in den letzten 40 Jahren aus, ein weiteres Fünftel sogar von einem Sinken. Nur sechs Prozent vermuten einen starken Anstieg, weniger als die Hälfte (46 Prozent) meint, dass die Pensionen leicht gestiegen sind. Tatsächlich legte laut WIFO die Alterspension –  sie lag 2018 bei 1.324 Euro brutto monatlich – zwischen 1978 und 2018 jedes Jahr real um 1,3 Prozent zu.

Was das tatsächliche künftige Pensionsantrittsalter betrifft, weicht die Einschätzung der Bürger deutlich von den Expertenprognosen ab: Während die Österreicher erwarten, dass Männer im Jahr 2060 im Durchschnitt mit 67,3 Jahren und Frauen mit 64,3 Jahren ihre Pension antreten, geht die WIFO-Langfrist-Schätzung bei Männern von maximal 62,5 Jahren (derzeit 61,5) und bei Frauen von maximal 63,4 Jahre (derzeit 59,4) aus.

Inflationssorgen deutlich höher als Expertenprognose
Ebenso überschätze die Bevölkerung die Inflation bis 2060, heißt es. 58 Prozent glauben, dass die Preise langfristig "stark ansteigen". Das WIFO geht hingegen von einem leichten Anstieg von zwei Prozent pro Jahr aus, "der historisch gut begründet ist", wie es in einer Aussendung heißt. Seit dem EU-Beitritt lag der Anstieg der Verbraucherpreise im Durchschnitt sogar unter zwei Prozent. (eml)