Investmentfonds spielen in der Veranlagung von privaten inländischen Haushalten gegenüber anderen Wertpapieren eine immer wichtigere Rolle. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Der Anteil der Investmentzertifikate (Fonds) am gesamten Wertpapiervermögen österreichischer Haushalte ist im Jahr 2019 auf 25,1 Prozent gestiegen (66 Milliarden Euro). Im Jahr davor lag der Anteil bei nur 23,1 Prozent (57,3 Milliarden Euro). Einen der Gründe sehen die Studienautoren im Nachhaltigkeitstrend, der die Anleger zu Investitionen animiert.

"Bei einer tiefergehenden Analyse dieses Trends zeigt sich eine starke Nachfrage nach Publikumsfonds, die mit Nachhaltigkeitsaspekten verknüpft sind", schreiben die Autoren in der neuen Studie. Die Haushalte besitzen demnach Fonds von österreichischen Anbietern im Volumen von 2,8 Milliarden Euro, die mit dem österreichischen Nachhaltigkeitskennzeichen UZ 49 zertifiziert sind – das ist annähernd eine Verdoppelung zu 2018, wo der Wert erst bei 1,5 Milliarden Euro lag. Zurückzuführen ist der Trend nicht nur auf eine Zunahme der Zertifizierungen und auf Preiseffekte sondern eben auch auf positive Nettomittelflüsse der Privatanleger: diese lagen 2018 bei 241 Millionen Euro und 2019 bei 750 Millionen Euro.

Insgesamt (in- und ausländische Fonds zusammengerechnet) besitzen die österreichischen Privatanleger nachhaltige Investmentzertifikate im Volumen von 3,8 Milliarden Euro. Das sind 6,3 Prozent der Veranlagung in Publikumsfonds.

Ausländische Käufer springen auf Austro-Produkte an
Wenn man sich das Gesamtmarktvolumen österreichischer Anbieter ansieht, das bei in- und ausländischen Anlegern platziert ist, befinden sich sieben Prozent in Vehikeln mit dem UZ 49. Das sind 7,4 Milliarden Euro und entspricht einem Wachstum um zwei Drittel (während es wie oben erwähnt in Österreich zu einer Verdoppelung kam). Das heißt, die österreichischen Fondsgesellschaften konnten also vor allem auch in ihren Auslandsmärkten mit der Nachhaltigkeitsexpertise punkten – beziehungsweise mit dem Standard des UZ 49.
 
Sehr hoch ist der Anteil gekennzeichneter Fonds bei den Mischfonds gestiegen, wo elf Prozent des Volumens (3,8 Milliarden) nachhaltig ist, statt davor 5,8 Prozent. Die höchste Konzentration an UZ-49-Kennzeichnung weisen mit 57,6 Prozent die Hedgefonds auf – allerdings bei sehr geringem Gesamtvolumen. Bei den Aktienfonds sind in Österreich derzeit 8,2 Prozent (1,6 Milliarden Euro) nachhaltig. Immobilienfonds wurden bis zum Jahresultimo 2019 nicht mit dem Umweltkennzeichen UZ 49 versehen.

Haber: Transparenz als Schlüsselfaktor
"Diese Entwicklung zeigt, dass bei Anlage- oder Investitionsentscheidungen auf den Finanzmärkten immer mehr auf das Prinzip der Nachhaltigkeit gesetzt wird", so OeNB Vize-Gouverneur Gottfried Haber, der anhand der Zahlen auch einen Hinweis darauf sieht, dass Transparenz und vertrauenswürdige Information in diesem Zusammenhang wichtige Schlüsselfaktoren für funktionsfähige Marktmechanismen seien.

Das Kennzeichen UZ 49 wurde im Jahr 2004 eingeführt und ist eines der ersten dieser Zertifikate im europäischen Raum. Investmentfonds werden hinsichtlich ihrer Anlagepolitik, der Auswahlkriterien sowie des Erhebungs-, Bewertungs- und Auswahlprozesses für die nachhaltige Veranlagung mit Hilfe eines Punktesystems bewertet. (eml)