Die Europäische Zentralbank (EZB) hält bislang mit aller Kraft an ihrem Glaubenssatz fest, dass es sich bei der erhöhten Inflation um eine vorübergehende Episode handelt. Doch kritische Stimmen aus der Finanzwelt werden immer lauter und zweifeln an der These der EZB. So sagte etwa Christian Ossig, Geschäftsführer des Bankenverbands (BdB) auf einer Onlineveranstaltung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), viele Ökonomen würden nicht damit rechnen, dass die Inflation zu ihren niedrigen Werten aus den vergangenen Jahren zurückkehrt. Vielmehr erwarte man, dass die Inflationsraten bei drei bis vier oder sogar fünf bis sechs Prozent bleiben, sagte Ossig laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Die Ökonomen sind unzufrieden mit der derzeitigen Strategie der EZB. Sie fordern eine adäquate Antwort auf die von ihnen prognostizierte langfristig höhere Inflationsrate. "Und die EZB-Antworten von gestern sollten nicht die von morgen sein", sagt Ossig. Für die Jahre 2023 und 2024 erwartet die Notenbank derzeit eine Inflationsrate von 1,8 Prozent. Laut EZB-Ökonom Frank Smets sehe die Notenbank daher derzeit keinen Anlass zu handeln, berichtet die FAZ. Eine Lohn-Preis-Spirale gebe es bislang nicht, trotz erster Anzeichen für steigende Löhne. 

Experten bleiben skeptisch
Holger Schmieding, Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg bezweifelt ebenfalls, dass die Inflationsrate in den kommenden Jahren so stark zurückgeht, wie von der Notenbank prognostiziert: "2024 wird die Inflationsrate nicht bei 1,8 Prozent liegen, sondern irgendwo über 2 Prozent." In diesem Sinne sei die Inflation "gekommen, um zu bleiben". Und auch Michael Hüther, der Direktor des IW, meint laut FAZ, man werde in nächster Zeit wohl zumindest mit Inflationsraten oberhalb derer der vergangenen Jahre rechnen müssen. (fp)