Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist weltweit der wichtigste Indikator, um wirtschaftliches Fortkommen zu messen. Einige Ökonomen halten den Indikator allerdings für nicht mehr zeitgemäß und arbeiten an alternativen Konzepten, die etwa auch Umweltaspekte oder soziale Gerechtigkeit berücksichtigen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die bekanntesten Alternativen sind etwa die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung festlegen, oder der Better Life Index der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der auch Faktoren wie die persönliche Work-Life-Balance und gesellschaftliches Engagement berücksichtigt.

Kritik am konventionellen BIP gibt es bereits seit den 1980er-Jahren, Alternativen weltweit jede Menge, allerdings hat sich noch keine von ihnen durchgesetzt. Das Problem: Sie sind reichlich komplex und die Erhebung der benötigten Daten knifflig. Das BIP mag zu wenig messen, ist aber für die meisten Menschen weltweit aufgrund seiner Einfachheit griffig, sagen Experten: "Die Landschaft der alternativen Indikatoren ist in den vergangenen zehn bis 15 Jahren vielfältiger geworden, aber die Vielfalt führt auch zu Verwirrung", zitiert die SZ die Politikwissenschaftlerin und Ökonomin Dorothee Rodenhäuser, die selbst an einem alternativen Wirtschaftswachstums-Indikator arbeitet, dem Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI).

Kein Maß ohne Mängel
Andere Ökonomen fordern, das BIP in seiner bewährten Form beizubehalten und andere Messgrößen für ökologische und soziale Faktoren separat abzubilden, so etwa Ökonom Albert Braakmann vom Statistischen Bundesamt: Damit die Behörde neben dem althergebrachten BIP einen weiteren Index erheben kann, bräuchte es allerdings einen konkreten  Auftrag der Bundesregierung.

Derzeit entwickelt Braakmann gemeinsam mit einem Expertengremium der Vereinten Nationen alternative Zahlen zum BIP, berichtet die SZ. Doch, dass es gelingen kann, ein Maß ohne Mängel zu finden, schließt der Experte aus. (fp)