Volatile Kurse, keine zentrale Regulierung – und trotzdem hält die Bitcoin-Begeisterung an. Die Kryptowährung vereint für viele die Versprechen von Unabhängigkeit, Sicherheit und Rendite. Doch Anleger, die an diese Verheißungen glauben, täuschen sich selbst, schreiben Jürgen Schaaf, Berater im Bereich Marktinfrastrukturen und Zahlungsverkehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und Ulrich Bindseil, Generaldirektor für selbigen Bereich im Direktorium der EZB in der"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ)."Da die kollektive Selbsttäuschung inzwischen eine Dimension erreicht hat, die erheblichen gesellschaftlichen Schaden anrichten kann, werden Interventionen von Gesetzgebern immer wahrscheinlicher – und spätestens dann droht das Kartenhaus einzustürzen", prognostizieren die Marktwächter.

Das ursprüngliche Ziel des Bitcoin, nämlich zu einer ernstzunehmenden Währung zu werden, sei längst verfehlt."Bitcoin ist zu volatil und zu teuer im Unterhalt, um die klassischen Funktionen des Geldes zu erfüllen", schreiben Bindseil und Schaaf. Der jüngste Beweis: El Salvador hatte versucht, Bitcoin als zweites gesetzliches Zahlungsmittel neben dem Dollar einzuführen. Doch es mangelte an Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Auch das technisch fixierte"Geldangebot" des Bitcoin entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schwäche, heißt es von den beiden Marktexperten:"Was als Inflationsschutz verkauft wird, würde in einer wachsenden Volkswirtschaft zwangsläufig in die Deflationsfalle führen."

Am Ende steht die Null
Bindseil und Schaaf sind überzeugt, dass es sich bei der Kryptowährung um eine spekulative Blase handelt, deren baldiges Platzen droht. "Der Wert steigt, solange sich noch ein 'größerer Narr' findet, der annimmt, dass er zu einem späteren Zeitpunkt zu einem noch höheren Preis verkaufen kann", stellen die beiden fest. Aber ähnlich wie die Zahl der Bitcoins ultimativ begrenzt sei, gebe es irgendwann auch keine Narren mehr, die das letztlich wertlose Spekulationsobjekt haben wollen, so ihre Argumentation. Wann genau der Hype sein Ende findet, vermögen die beiden Kommentatoren nicht vorherzusagen. Doch sie sind sich sicher: "Ein nachhaltiger Bitcoin ist so unmöglich wie die Division durch null." (fp)