Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschland droht eine technische Rezession. Zu diesem Schluss kommt Stephan Rieke, Leiter Investment Office Märkte bei Oddo BHF, in einem aktuellen Marktkommentar. Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorquartal schon um 0,1 Prozent gesunken. Sollten die Zahlen fürs dritte Quartal ebenfalls negativ ausfallen, sprechen Experten von einer technischen Rezession. Rieke gibt dennoch vorab Entwarnung: "Im Fall der Fälle sollte das nicht überinterpretiert werden."

Rieke betont, dass die Konjunktur zurzeit vor allem in der Industrie schwächelt. Der Dienstleistungssektor wächst hingegen. Außerdem sagen Experten für das kommende Jahr ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr voraus. Anlageprofi Rieke schlägt bei diesen Aussichten hoffnungsvolle Töne an: "Möglicherweise bleibt uns sogar die technische Rezession erspart." Nächste Woche wird das Statistische Bundesamt die Zahlen fürs dritte Quartal veröffentlichen.

Investitionschancen
Folgerichtig bewertet Rieke die Entwicklung an den Aktienmärkten durchaus positiv. Sollte sich der Konflikt im Handelsstreit zwischen den USA und China in den nächsten Wochen weiter entspannen, rechnet er mit steigenden Kursen. Auf dem Rentenmarkt dagegen werde es in den kommenden Monaten noch schwieriger, interessante Investments zu finden, warnt Rieke. Schuld sei die Europäische Zentralbank mit ihrem Anleihekaufprogramm. Sie dürfte seiner Meinung nach die Hälfte der neu emittierten Bundesanleihen kaufen. (fp)