Der risikolose Zins ist Geschichte, nun gibt es nur noch zinslose Risiken. Selbst in den USA rentieren zehnjährige Staatsanleihen real – also nach Abzug der Inflation – bei null. "In den Industrieländern findet sich kein Anlagewert ohne Risiko mehr, der Schutz vor Kapitalerosion bietet", sagt Laurent Denize, Leiter der Anleihesparte und Co-CIO bei Oddo BHF AM. Aktuell liegen die realen Renditen von US-Staatsanleihen etwa 200 Basispunkte unterhalb der BIP-Wachstumsrate – ein in den vergangenen 30 Jahren noch nie beobachtetes Phänomen.

Bei einer solchen Ausgangslage sind zwei Szenarien denkbar: Entweder behalten die Anleiheinvestoren Recht, und die US-Wirtschaft gleitet schon bald in eine Rezession ab – oder die Wirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig. In diesem Fall müssen sich Bond-Anleger auf Verluste einstellen, die die in diesem Jahr erzielten Gewinne noch übertreffen könnten. Auf beiden Seiten des Atlantiks haben Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 15 Jahren seit Jahresbeginn ein Plus von mehr als 25 Prozent erzielt, ähnlich viel wie im Jahr 2014.

Riskanter Optimismus
Denize rechnet nicht damit, dass es zu einer Rezession kommt. "Wir sehen die weltweiten Wachstumsperspektiven nach wie vor optimistisch, da eine ungebrochene Konsumdynamik Schub gibt", sagt der Anlageprofi. Zwar sei das vor allem den Notenbanken zu verdanken. Sie hätten auf die Unsicherheit reagiert und Sicherheit vor Rationalität gestellt, also die Geldpolitik abermals gelockert. "Anleger haben diese Kurswende jedoch bereits eingepreist und erwarten nun gar eine Ausweitung dieser Maßnahmen", sagt Denize. Er hält das für riskant und rät darum von Staatsanleihen ab. "Wir möchten unsere Anleger nicht dazu ermutigen, in Anlagen mit negativen Realzinsen investiert zu bleiben", sagt er. (fp)