Der Dax ist seinem Tiefpunkt im Zuge des Corona-Crashs deutlich nähergekommen als der US-Index S&P 500. "Das zeigt, dass amerikanische Aktien bereits vor Ausbruch der Krise relativ teuer waren", analysiert Jan Viebig, Chefanlagestratege bei Oddo BHF. Am heutigen Montag (30. März) steht der US-Leitindex bei rund 2.540 Zählern. Fällt er auf unter 1.900 Punkte, bieten US-Standardwerte für mittelfristig orientierte Anleger aus fundamentaler Sicht mehr Chancen als Risiken, erklärt der Investmentexperte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Niemand kann wissen, wie tief die Kurse in der aktuellen Krise noch fallen, sagt Viebig. "Wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass in Stressphasen wie etwa in der Finanzkrise 2008/2009, in denen Volatilitätsindizes Werte über 75 Prozent anzeigen, Kurs-Buchwert-Verhältnisse von unter einmal in Europa und ungefähr 1,9-mal in den Vereinigten Staaten erreicht haben", erklärt er im FAZ-Interview. "Bis es zur Wirtschaftserholung kommt, halten wir uns zur Orientierung an ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von eins in Europa."

Stabilisierung noch im laufenden Jahr
Die Portfoliomanager von Oddo BHF haben, als die Kursschwankungen zunahmen, ihre Portfolios wetterfest gemacht und Aktien konjunkturanfälliger Unternehmen durch defensivere Titel ersetzt. "Wir rechnen aber mit einer Stabilisierung der konjunkturellen Lage auf Sicht von etwa zwei, drei Quartalen", betont Viebig. Er ist sich sicher: "Die Aktienkurse werden sich erholen nachdem sie die Stressniveaus vergangener Zeiten erreicht haben, sich das Wachstum der Infektionszahlen deutlich abschwächt und die Panik an den Märkten weicht." (fp)