Der KI-Boom bekommt neue Kratzer. Anleger trennten sich zum Wochenstart von zahlreichen Halbleiter- und KI-Aktien. Auslöser ist allerdings nicht ein einzelnes Ereignis, sondern das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Im Mittelpunkt steht dabei Nvidia. Der Chipkonzern arbeitet laut "Bloomberg" an weiteren milliardenschweren Finanzierungsvereinbarungen mit Partnern wie OpenAI und der südkoreanischen SK Group. Kritiker sehen darin eine Form der zirkulären Finanzierung: Nvidia unterstützt Unternehmen finanziell, die anschließend seine Chips kaufen oder Rechenleistung auf Basis seiner Technologie beziehen. Investoren fürchten, dass sich dadurch Risiken innerhalb des KI-Ökosystems gegenseitig verstärken könnten.

Zusätzlichen Druck erzeugen Berichte über Fortschritte chinesischer Chiphersteller. Mehrere Medien meldeten zuletzt, dass chinesische Unternehmen bei der Chipproduktion schneller aufholen als bislang erwartet. Das nährt die Sorge, dass der technologische Vorsprung westlicher Halbleiterhersteller schrumpfen könnte. Stephan Kemper, Chief Investment Strategist Wealth Management bei BNP Paribas, spricht von einer "plötzlichen Verschiebung der Wettbewerbslandschaft", die Anleger zunehmend an den Wachstumserwartungen zweifeln lasse. Gleichzeitig richten sich die Blicke auf die in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Apple und Amazon sowie auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Vor diesen Terminen bleibe die Risikobereitschaft der Investoren gering, so Kemper.

Doch kein Grund zur Panik?
Doch nicht alle Marktbeobachter teilen den zunehmenden Pessimismus. James Cook von Federated Hermes warnt zwar vor überzogenen Erwartungen in Teilen der KI-Wertschöpfungskette, spricht aber eher von "zweideutig günstigen" Bewertungen: Einige Halbleiterunternehmen wirkten auf Basis ihrer aktuellen Gewinne günstig, allerdings könnten diese Höchstgewinne nicht dauerhaft sein. Gleichzeitig sieht er in anderen asiatischen Märkten wie China oder Teilen Südostasiens attraktivere Bewertungen.

Noch deutlicher widerspricht etwa DPAM der jüngsten Skepsis. Fondsmanager Humberto Nardiello hält die Sorgen über Chinas neues KI-Modell Kimi K3 für überzogen. Anders als beim früheren Deepseek-Modell benötige Kimi K3 weiterhin modernste Nvidia-Hardware und bestätige damit letztlich die Bedeutung westlicher Infrastruktur. Die wiederkehrenden Panikwellen hätten sich bislang nicht als nachhaltige Trendwende erwiesen. (cf)