Positive Erwartungen sind gut – zu hohe Erwartungen problematisch. Die ausgelassene Stimmung der Investoren und die expansive Geldpolitik der Zentralbanken haben die Märkte in den vergangenen Wochen angetrieben. Aktienkurse, Rohstoffpreise und Anleihenmärkte befinden sich auf Rekordniveau. Nuveen-Chefstratege Bob Doll beobachtet diese Entwicklung mit Sorge.

"Unserer Ansicht nach sind die Investoren zu optimistisch", sagt er. "Viele der möglichen guten Nachrichten sind bereits von den Märkten eingepreist und die Bewertungen geraten zusehends unter Druck. Wir gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzt – vermuten aber, dass sie holpriger wird, als viele erwarten", so seine aktuelle Markteinschätzung.

Realwirtschaft ausschlaggebend
Angesichts der enormen Aufholjagd der Aktienmärkte hoffen viele Investoren, dass sich auch die Wirtschaft trotz wachsender Infektionszahlen erholt. Scheinbar haben Anleger und Märkte eine weltweite Verfügbarkeit des Impfstoffes fest eingeplant. Doch selbst wenn Anfang kommenden Jahres ein Impfstoff verfügbar sein sollte, dürfte die weltweite Nachfrage unter dem Niveau von Januar 2020 liegen, fürchtet der Experte.

Letzten Endes bestimmen Fundamentaldaten wie die Unternehmensgewinne den weiteren Kurs der Wirtschaft. Da diese im Laufe des Jahres wahrscheinlich nachgeben werden, sieht die wirtschaftliche Entwicklung laut Doll nicht nur rosig aus. Der fallende US-Dollar und die nachlassende Wirkungskraft der politischen Maßnahmen verstärken den Effekt. Anleger seien derzeit gut damit beraten, eher auf eine vorsichtige, selektive Strategie zu setzen. (fp)