Ökonomen der britischen Notenbank haben Artikel der Tageszeitung "The Guardian" analysiert und festgestellt: Die Zeitungslektüre kann bisweilen mehr über die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung verraten als manch anderer aufwendig kalkulierter Frühindikator. Das geht aus einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) hervor. Das Ergebnis der Analyse zeigt nämlich, dass die Zeitungsindikatoren im Vergleich zur kurzfristigen Vorhersage des Bruttoinlandsprodukts (BIP) besser abgeschnitten haben als beispielsweise Einzelsumsätze und Aktienkurse. 

Die Analysten der Bank of England haben aus den Artikeln der vergangenen 20 Jahre für jedes Quartal eine Prognose für die BIP-Entwicklung abgeleitet – in der eher behäbigen Welt der Konjunkturgucker also fast schon in Echtzeit. Dazu haben sie ein Computerprogramm eingesetzt, dass zum einen eindeutige ökonomische Begriffe gezählt hat, wie zum Beispiel die Häufgkeit der Nennung des Wortes "Rezession". Zum anderen hat das Programm auch bedeutungsverwandte Begriffe, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wirtschafts-Schlagwörtern auftauchen, identifiziert und dann gesondert gewertet. Während der Analyse hat das Programm stetig dazugelernt und beispielsweise festgestellt, dass "Verlangsamung" als verstärkende Wortverbindung zu "Rezession" zu werten ist

Zeitungs-Analyse hat Vorteile
Laut Angaben der NZZ verwendeten die Analysten deshalb gezielt "The Guardian"-Texte, weil diese technisch leicht zugänglich und kostenlos sind. Bei Zeitungen mit stärkerem Wirtschaftsprofil wären die Ergebnisse vielleicht noch eindeutiger ausgefallen. So oder so: Zeitungsartikel haben gegenüber den altbewährten Stimmungsbarometern einen entscheidenden Vorteil, denn sie sind im Online-Zeitalter sofort verfügbar und werden stetig aktualisiert – und nicht nur an gewissen Stichtagen. (fp)