Die Klimakatastrophe ist ein bedeutender Risikofaktor für die globale Wirtschaft, sagt Steen Winther Blindum, Chefanlagestratege bei Nordea – und damit auch ein Risiko für Anleger. "Die Beeinträchtigung der Weltwirtschaft durch den Klimawandel dürfte sich langfristig negativ auf die Erträge aus Aktien und Anleihen auswirken", befürchtet er. Der Grund: die Kosten, die durch den Klimawandel selbst und durch Maßnahmen zu seiner Begrenzung auf viele Volkswirtschaften zukommen. Anleger sollten diese Entwicklung bei ihrer Vermögensallokation im Hinterkopf behalten, rät der Experte.

Zahlreiche Staaten dürften von der Erderhitzung in wirtschaftlicher Hinsicht doppelt getroffen werden – aber nicht alle, und vor allem nicht alle gleich stark. Studien deuten darauf hin, dass es zwischen Temperatur und Produktivität, definiert als reales Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, einen Zusammenhang gibt. Wird es in einem Land mit einer aktuellen Durchschnittstemperatur von 15 Grad Celsius auch nur ein Grad wärmer, sinkt das Produktivitätswachstum voraussichtlich um 0,57 Prozentpunkte. Das heißt: Länder mit einer heute niedrigen Durchschnittstemperatur dürften vom Klimawandel weniger stark getroffen werden als wärmere Länder.

Sind die Riesen von heute die Zwerge von morgen?
Zu den Staaten, die unter höheren Durchschnittstemperaturen vergleichsweise stark leiden werden, gehören laut Blindum die Vereinigten Staaten. Sie könnten durch eine Kombination aus relativ hohen Kosten des Klimawandels und hohen Kosten für die Schadensbegrenzung doppelt getroffen werden. Auch die Schwellenländer gehören aller Voraussicht nach zu den Verlierern, was sich für Anleger in deutlich geringeren Renditeerwartungen niederschlägt. In Indien und China etwa liegt die Durchschnittstemperatur bereits heute hoch.

Gelingt es, die globalen Temperaturen auf einem Niveau von etwa zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu halten, kommen die europäischen Länder – insbesondere Nordeuropa – bei den finanziellen Folgen des Klimawandels relativ glimpflich davon, sagt Blindum. Erstens könnte ein leichter Temperaturanstieg die Produktivität im kalten Norden sogar erhöhen. Zweitens sind viele europäische Länder vergleichsweise wenig von Kohlenstoff abhängig, sodass sich die Kosten für den Übergang zu einer saubereren Wirtschaft im Rahmen halten dürften. (fp)