Viele Anleger fragen sich, wie lange die Corona-Krise die Märkte noch belasten wird. Sébastien Galy, Makrostratege bei Nordea Asset Management, glaubt: zwei bis vier Wochen. So lange dürften sich die Aktienkurse noch unter heftigen Schwankungen seitwärts bewegen, sagt er. Sicher weiß man es aber nicht. Der Stratege rät Anlegern deshalb, sich vorsichtig zu positionieren. Es gibt zwar mehrere Möglichkeiten, die Auswirkungen des Coronavirus auf Wirtschaft und Finanzmärkte zu untersuchen, etwa durch Ereignisstudien. Letztlich schaffen solche Analysen aber kaum Klarheit, sagt Galy. Deshalb heißt es: auf Sicht fahren.

Betrachtet man den Ist-Zustand, stellt man fest: Es gibt einen gewissen Ansteckungseffekt für die Märkte; dieser beschränkt sich aber bislang vor allem auf die Schwellenländer. So ist der Schwellenländer-Aktienindex MSCI EM rund acht Prozent gefallen. In Europa und in den USA kann man dagegen mit Blick auf die Volatilität noch nicht von einem Stressniveau sprechen, sagt Galy. "Wenn wir uns auf jene Wachstumstitel konzentrieren, die in den letzten Monaten die Rally angeführt haben, dann sind diese zwar etwas unter Druck geraten, allerdings nicht signifikant."

Investoren machen sich nicht genug Sorgen
Der Nordea-AM-Mann geht angesichts der aktuellen Marktdaten davon aus, dass Anleger das Ausmaß des Corona-Schocks entweder unterschätzen oder aber die Auswirkungen der Virusepidemie als vorübergehend betrachten. "Ein Blick auf die Wachstumstitel lässt stark vermuten, dass die Krise noch nicht eingepreist ist", warnt er. "Generell kann es nicht sein, dass Growth-Titel insgesamt nur leicht unter Druck stehen."

Galy rät in diesem Umfeld zu einer aktiven Titelauswahl und einem breit gestreuten Portfolio, das auch Pfandbriefe sowie Aktien börsennotierter Immobilien- und Infrastrukturunternehmen enthält. Die Zeit für Schnäppchenkäufe ist seiner Ansicht nach noch nicht gekommen. "Wir raten weiterhin zu erheblicher Vorsicht", sagt er. "Die Kunst ist, zu wissen, wann sich das Blatt wenden wird." (fp)