Anleger sollten dieser Tage einen Blick auf asiatische Aktien außerhalb Japans riskieren, sagt Chetan Seth, Anlagestratege bei Nomura Asset Management (Nomura AM). Er nennt fünf Gründe, warum die Titel Potenzial bergen und in der kommenden Zeit besser laufen könnten als US-Aktien: Erstens dürften sich die asiatischen Volkswirtschaften rascher von der Coronakrise erholen als die Vereinigten Staaten. "Zweitens sollte Asien eine gewisse Isolierung von der mit den US-Wahlen verbundenen Unsicherheit und Volatilität bieten", sagt Seth. Siegt der aktuelle Umfragen-Anführer Joe Biden, dürfte eine Erhöhung der Unternehmenssteuern auf die Profitabilität von US-Firmen drücken.

Als drittes Argument für asiatische statt für US-Aktien nennt der Nomura-AM-Stratege ein Konglomerat aus Faktoren, das die US-Märkte in naher Zukunft belasten dürfte: die nachlassende Unterstützung durch Aktienrückkäufe und Dividenden, das Index-Übergewicht von Technologieaktien, die unter einem Präsidenten Biden stärker reguliert werden dürften, sowie das Risiko einer geringeren fiskalischen Unterstützung.

Bereit zur Aufholjagd
Viertes Argument für Asien-Aktien ist laut Seth die Tatsache, dass Investoren bislang nur gering in die Region investiert sind. Die Pandemie hat dieses Ungleichgewicht noch verschärft. Seit Jahresbeginn haben Anleger aus asiatischen Aktien (ohne japanische Titel) unterm Strich 54 Milliarden US-Dollar abgezogen. Der fünfte Grund, warum Investoren zugreifen sollten, ergibt sich aus diesen Abflüssen: Asiatische Aktien sind im Vergleich zu US-Titeln günstig bewertet. Das ist zwar bereits seit Jahren der Fall. "Aber der aktuelle Bewertungsabschlag scheint überhöht", sagt der Stratege. (fp)