Die Coronakrise hat bei vielen Anlegern endgültig die Hoffnung auf nennenswerte Gewinne zerstört. "Die meisten Investoren haben das Jahr 2020 bereits abgeschrieben", sagt Ewout van Schaick, Leiter des Multi-Asset-Bereichs beim niederländischen Asset Manager NN Investment Partners (NN IP). Der Fokus hat sich auf die Form der Gewinnerholung verlagert. Der derzeitige Konsens geht von einer V-förmigen Erholung aus, bei der die Firmengewinne bis Ende nächsten Jahres wieder das Niveau von Ende 2019 erreichen werden.

Diese Erholungserwartung sei nicht völlig unrealistisch, sagt van Schaik. Der Aktienmärkt sei jedoch anfällig für Einbrüche – vor allem, wenn die Nachrichtenlage das positive Szenario nicht bestätigen sollte. "Mit der Erholung des Marktes sind auch die Bewertungen stark gestiegen. Das rollierende Kurs-Gewinn-Verhältnis für den US-Markt liegt derzeit deutlich über dem Durchschnittswert der letzten 20 Jahre. Europa und die Schwellenländer liegen knapp unter diesem langfristigen Durchschnitt", sagt der Experte.

Düstere Aussichten
Dies sollte bei Anlegern jedoch nicht für falsche Schlussfolgerungen sorgen. Die Gewinne für das zweite Quartal sehen düster aus. Für die USA rechnen Marktbeobachter mit einem Rückgang um mehr als 40 Prozent. "In Europa könnte der Rückgang angesichts der höheren Konjunkturabhängigkeit und des geringeren Technologieniveaus sogar noch schlimmer ausfallen und etliche zyklische Sektoren dürften im Schnitt einen Verlust verzeichnen", lautet die Prognose des Experten. "Selbst wenn wir das Gewinnwachstum für dieses und das nächste Jahr mit berücksichtigen, bleibt das Bewertungsbild ungünstig." (fp)