Das Schlagwort Stagflation bestimmt zurzeit die Diskussion um den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Lage. Es beschreibt die unheilige Allianz hoher Inflationsraten und geringen Wachstums. Doch auch, wenn die aktuelle Situation auf eine solche Entwicklung hindeutet, glaubt das Multi-Asset-Team des Vermögensverwalters Nikko Asset Management nicht an deren Eintreten.

"Die Wirtschaft ist nicht heiß gelaufen, da sich die Nachfrage erst noch erholt. Der Inflationsdruck wurde dieses Mal durch das Angebot und nicht durch die Nachfrage ausgelöst", heißt es in einem aktuellen Marktkommentar. Unter anderem darin sieht das Team gegenüber der Stagflationsphase ab Ende der 1960er-Jahre einen wichtigen Unterschied.  

"Pragmatischerer Kurs" gefordert
Die Nachfrage sei auf Erholungskurs, eine Zinsanhebung wäre politisch falsch, schreiben die Finanzprofis. Die aktuelle Herausforderung: Corona-bedingte Unterbrechungen der Versorgungsketten schränkten das Angebot ein. Zudem lenke die Politik das Kapital weg von fossilen Brennstoffen hin zu grüner Energie. Die Folge: steigende Preise. "Wir vermuten, dass die Politik letztlich einen pragmatischeren Kurs zur Erreichung langfristiger Ziele wird einschlagen müssen", so die Finanzprofis.

Passiert das nicht und bleibt die Produktknappheit erhalten, sieht Nikko AM tatsächlich die Gefahr einer Vernichtung von Nachfrage, die einer Stagflation nahekäme. "Doch im Gegensatz zu den 60er und 70er-Jahren, die mit einem Inflationsboom begannen und in eine Stagflation mündeten, könnte die Politik dieses Mal geradewegs zu einem Konjunktureinbruch mit Inflation führen", so der Kommentar. Das sei allerdings unwahrscheinlich.

Drei Investment-Tendenzen
Ausgehend von längerfristig eher weiter steigenden Zinsen sieht Nikko AM zyklische (Value-)Werte begünstigt. Aufgrund der Widerstandsfähigkeit der Region bevorzugen die Experten zudem Europa. Aber auch in Japan sieht das Team Chancen aufgrund attraktiver Bewertungen und eines anhaltend schwachen Yen. (fp)