Experten sind mit Blick auf die Börsenaussichten derzeit wenig optimistisch: "Die Aktienkurse dürften in den kommenden Quartalen leicht sinken", sagt John Vail, Chef-Stratege bei Nikko Asset Management. Besorgniserregend für die Märkte dürften die enttäuschende Gewinnsaison im zweiten Quartal und die weltweiten Erwartungen für 2020 sein. Zudem könnten Sorgen vor Steuererhöhungen nach einem möglichen Wahlsieg der Demokraten in den USA im Laufe des Jahres auf die Stimmung drücken. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir zu einer leicht negativen Einschätzung der globalen Aktienmärkte übergehen, insbesondere angesichts der hohen Risiken und Marktbewertungen, zumindest in den USA", so Vail weiter.

Auch für Europa ist der Experte nicht optimistischer, im Gegenteil: "Europäische Aktien dürften sich schlechter entwickeln als die amerikanischen, trotz der erwarteten wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr", so Vail. "Die Europäer haben wenig Vertrauen in ihre mittelfristige wirtschaftliche Zukunft." Das KGV basierend auf Gewinnschätzungen für 2020 sei mit 21 hoch und mit dem 15-fachen der Erwartungen für 2021 bei weitem nicht niedrig. Ähnlich wie in den USA dürften Vail zufolge auch hier die Dividenden stark gekürzt werden, nicht zuletzt im Ölsektor in Großbritannien und den Niederlanden. 
 
Japan steht im globalen Vergleich gut da
"Japanische Aktien haben sich im bisherigen Jahresverlauf im globalen Vergleich besser entwickelt, da die Lockdowns weniger streng waren, die Notenbank Aktien unterstützt hat, die Bewertungen niedrig und Überschuldungen seltener sind", so Vail. Die Bewertungen lägen mit einem KGV von 18 basierend auf Gewinnschätzungen für 2020 und 13,7 für 2021 auf vernünftigem Niveau – "auch wenn wir die Gewinnerwartungen des Marktes für etwas zu hoch halten", so Vail. Die Dividendenrendite sei im globalen Vergleich sehr attraktiv, vor allem bei Finanzwerten. Verbesserungen in den globalen Halbleiter- und Smartphone-Zyklen und eine höhere chinesische Nachfrage nach Investitionsgütern, insbesondere für die Förderung der 5G-Infrastruktur, dürften die Erträge ankurbeln und dazu führen, dass vor allem ausländische Anleger wieder in japanische Aktien investieren. Der Automobilsektor gebe hingegen Anlass zu großer Sorge und sollte genau beobachtet werden. (fp)