Das Land, in dem die Covid-19-Pandemie ihren Anfang nahm, könnte das erste sein, das ihre wirtschaftlichen Folgen hinter sich lässt. "Das Reich der Mitte hat gute Aussichten, sich als erste große Volkswirtschaft der Welt vom rezessiven Corona-Blues zu erholen", sagt Eng Teck Tan, Portfoliomanager bei Nikko Asset Management (Nikko AM). Er weist darauf hin, dass wichtige Wirtschaftsindikatoren mittlerweile wieder aufwärts zeigen. So ist etwa Chinas Industrieproduktion im Mai im Jahresvergleich um 4,4 Prozent gewachsen. "Das ist eine enorme Verbesserung nach den negativen Zahlen im ersten Quartal", sagt Tan.

Die große Frage ist, ob sich der jüngste, erneute Virusausbruch in Peking zu einer zweiten Infektionswelle ausweitet. "Dann stehen alle Wetten auf einen nachhaltigen Aufschwung auf dem Spiel", warnt Tan. "Es bleibt abzuwarten, ob neue Infektionscluster Chinas Erholung zum Scheitern bringen." Trotz der deutlich besseren Wirtschaftsdaten sollten Anleger also weiterhin vorsichtig sein – auch, weil sich Chinas Wachstum bereits vor der Pandemie verlangsamt hat. "Das ist eine Gewissheit, die selbst die Zentralregierung in ihren Prognosen einräumt", betont der Nikko-AM-Experte.

Technologieaktien profitieren von Corona
Geht es weiter aufwärts, werden einige Sektoren wohl stärker vom Aufschwung profitieren als andere. "China unterstützt mit der verstärkten Ausgabe von Kommunalschuldverschreibungen und gezielten fiskalischen Anreizen insbesondere seine strategischen Industrien, namentlich 5G, Digital, Automatisierung und Umwelt", erklärt Tan. Neben diesen Branchen konzentriert er sich auf den Software-Sektor, das Gesundheitswesen, Versicherungen sowie ausgewählte Konsumsektoren.

Längerfristig dürften sich vor allem chinesische Technologieaktien, insbesondere aus den Segmenten 5G und Cloud Computing, gut entwickelt, ist der Portfoliomanager überzeugt. Zuletzt schnitten diese Titel eher schlecht ab. Grund dafür war die Angst für neuen Exportbeschränkungen der US-Regierung. "Der neue Technologiezyklus und das rasche Tempo der Digitalisierung in der Welt nach Covid-19 dürften sich hier positiv auswirken", prognostiziert Tan. (fp)