Für Gottfried Haber, der im Juli seinen Dienst als Vizegouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB) angetreten hat, ist das seit vielen Jahren gegebene Niedrigzinsumfeld von begrenzter Dauer. Die Phase sei "historisch sehr außergewöhnlich und kann und soll ökonomisch kein Dauerzustand sein", sagte Haber in einem Interview mit der APA, das mehrere Medien aufgriffen.

Anstieg in absehbarer Zeit
Er geht davon aus, dass die Zinsen in absehbarer Zeit steigen. Zunächst werden sie aber nach Habers Sicht nicht mehr das Niveau von vor der Wirtschaftskrise erreichen.

Im aktuellen Umfeld zahle sich Sparen nicht mehr aus und "auch für das Geschäftsmodell von Kreditinstituten sind derartige Zinssituationen nicht unproblematisch", so Haber. Er spricht sich gegen negative Sparzinsen aus. Der private Sparer ist davon bis jetzt in Österreich nicht betroffen, aber der eine oder andere Unternehmer musste sich bereits mit negativen Einlagenzinsen auseinander setzen. Negative Zinssätze seien "sinnwidrig", so Haber.

Die US-Notenbank Fed hat soeben angesichts der schwachen Konjunktur und der tiefen Inflation erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt die Leitzinsen gesenkt. In Europa hat die EZB Signale in diese Richtung ausgesendet. Auch eine Lockerung der Geldpolitik, sollte die Inflation nicht anziehen, ist bereits angekündigt.

Auch Inflation über zwei Prozent unter Umständen gerechtfertigt
Zur Andeutung von EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank könnte künftig auch ein Inflationsziel über zwei Prozent anpeilen, verweist Haber auf den klaren EZB-Auftrag, die Inflation unter zwei Prozent aber nahe an zwei Prozent zu halten. "Das lässt aus meiner Sicht wenig Interpretationsspielraum offen", so Haber. Allerdings könne ökonomisch betrachtet auch eine Inflation knapp über zwei Prozent als Preisniveaustabilität gelten. Man müsse "eine gewisse Bandbreite bei der kurzfristigen Inflationsrate" zulassen, damit die EZB nicht bei jeder kleinsten Veränderung eingreifen muss. (eml)