Neue Nahost-Eskalation: Droht der nächste Ölpreisschock?
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran treibt die Energiepreise erneut nach oben. Nach weiteren gegenseitigen Angriffen verteuerten sich Öl und Erdgas deutlich. Marktteilnehmer sorgen sich vor allem um die Lage an der strategisch wichtigen Straße von Hormus.
Der Ölmarkt reagiert mit einem deutlichen Preissprung auf die neuen wechselseitigen Angriffe zwischen den USA und dem Iran. Brent notierte am Montagmorgen (13.7.) vier Prozent höher bei 79,06 US-Dollar je Barrel. Vergangene Woche hatte sich die Nordsee-Ölsorte um 5,4 Prozent verteuert. Das Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete 74,39 Dollar und damit 4,2 Prozent mehr als am Freitag (10.7.).

Streit um die Straße von Hormus
Der Iran hat erklärt, die Straße von Hormus bleibe "bis auf Weiteres" geschlossen. Das US-Zentralkommando (Centcom) wies diese Darstellung zurück und teilte mit, seine Streitkräfte hätten weitere Angriffe begonnen, um die Freiheit der Schifffahrt auf der Wasserstraße sicherzustellen.
Die Angriffe am Sonntagnachmittag (12.7.) waren der vierte Einsatz der USA innerhalb einer Woche. Nach Angaben des Centcom erfolgten sie als Reaktion auf einen iranischen Angriff auf ein unter der Flagge Zyperns fahrendes Containerschiff. "CNN" berichtete, die Islamischen Revolutionsgarden hätten erneut auf Handelsschiffe geschossen. Zudem hätten US-Flugzeuge einen iranischen Marschflugkörper und eine Angriffsdrohne abgefangen.
Kriegsprämie kehrt an den Ölmarkt zurück
Die Unsicherheit führt dazu, dass sich wieder eine Kriegsprämie in den Ölpreisen niederschlägt. Die Eskalation könnte die Bemühungen gefährden, die erschöpften globalen Ölvorräte im weiteren Jahresverlauf wieder aufzufüllen, teilte die Internationale Energieagentur (IEA) am Freitag (10.7.) mit. Das verdeutlicht, was für die Weltwirtschaft auf dem Spiel steht, falls der Konflikt anhält.
Die jüngste Eskalation verschärft die Lage zwar, bleibt aber "deutlich unter einem umfassenden Krieg", sagte Saul Kavonic, Energieanalyst bei MST Marquee. "Die Ölpreise dürften schrittweise weiter steigen, solange die Angriffe andauern und die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zurückhaltender bleibt."
Auch die europäischen Erdgaspreise stiegen, weil befürchtet wird, dass die Angriffe Lieferungen von Produzenten aus dem Persischen Golf beeinträchtigen könnten. Die Futures legten um bis zu 2,7 Prozent zu, nachdem sie in der vergangenen Woche bereits fast acht Prozent gestiegen waren.
Verhandlungen bleiben festgefahren
Irans Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, die "Ära einseitiger Abkommen ist vorbei". Teheran betonte, Washington müsse zunächst frühere Zusagen zu Durchfahrten durch die Straße von Hormus und zur Normalisierung der iranischen Ölexporte einhalten, bevor die Gespräche wieder aufgenommen werden könnten.
US-Präsident Donald Trump erklärte, die Waffenruhe sei "vorbei", die USA seien aber weiterhin bereit, die Verhandlungen fortzusetzen. (mb/Bloomberg)















