Der Goldpreis ist Anfang August deutlich gestiegen und hat innerhalb weniger Tage rund vier bis fünf Prozent zugelegt. Aktien von Goldminenunternehmen legten sogar noch stärker zu. Nach einer zuvor verhaltenen Phase kletterte das Edelmetall zudem wieder über seine viel beachtete 50-Tage-Durchschnittslinie.

Die Portfoliomanager David Finger, Frederik Fischer und Christian Zilien von Allianz Global Investors (AGI) gehen deshalb der Frage nach, ob es sich lediglich um eine kurzfristige Erholung oder den Beginn einer nachhaltigeren Aufwärtsbewegung handelt.

Schwächerer Dollar treibt Goldpreis
Als wichtigsten Treiber identifizieren die Experten den schwächeren US-Dollar. Da Gold in Dollar gehandelt wird, wird das Edelmetall für Käufer aus anderen Währungsräumen günstiger, wenn die US-Währung nachgibt. Zuletzt fiel der Dollar auf den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen. Gründe dafür seien unter anderem schwächere US-Arbeitsmarktdaten und Maßnahmen zur Stützung des japanischen Yen.

Hinzu komme das sogenannte "Debasement"-Narrativ – die Sorge, dass eine hohe Staatsverschuldung langfristig die Kaufkraft von Papierwährungen untergraben könnte. Dies erhöhe die Attraktivität von Gold als Wertaufbewahrungsmittel.

Bemerkenswert sei zudem, dass Gold trotz des relativ hohen Zinsniveaus zulegt. Normalerweise belasten höhere Zinsen das Edelmetall, da es keine laufenden Erträge abwirft. Dass der Preis dennoch steigt, deutet für die Experten darauf hin, dass der schwächere Dollar derzeit der stärkere Faktor ist.

Zentralbanken sorgen für zusätzliche Nachfrage
Unterstützung kommt auch von den Zentralbanken. Nach einer ruhigeren Phase zu Jahresbeginn hätten die Käufe wieder angezogen, angeführt von China und ergänzt durch Länder wie Polen und Usbekistan. Branchendaten deuteten im zweiten Quartal auf eine Rekordnachfrage von Zentralbanken und Staatsfonds hin.

China habe dabei offenbar die Gelegenheit für antizyklische Käufe genutzt und so zur Stabilisierung des Goldpreises im Bereich von 4.000 US-Dollar je Feinunze beigetragen. Zugleich hätten kurzfristig orientierte Investoren bereits einen Großteil ihrer Long-Positionen abgebaut. Auch die zuvor über Wochen verzeichneten ETF-Abflüsse hätten sich inzwischen stabilisiert.

Für zusätzlichen Rückenwind sorgen saisonale Faktoren. Historisch habe sich Gold vom Spätsommer bis in den Herbst häufig verteuert, unter anderem aufgrund der indischen Fest- und Hochzeitssaison sowie chinesischer Käufe zum Jahresende. Die Saisonalität allein sei zwar kein Grund für steigende Preise, verbessere derzeit aber das Umfeld.

Drei Risiken für die Gold-Rally
Trotz des konstruktiven Umfelds ist die weitere Aufwärtsbewegung für Allianz GI keineswegs ausgemacht. Die Experten nennen drei wesentliche Risiken:

  1. Ein stärkerer US-Dollar: Die Dollar-Schwäche sei der Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Bewegung. Stärkere US-Konjunkturdaten oder nachlassender Druck auf den Yen könnten die US-Währung stabilisieren und Gold belasten.
  2. Höhere Zinsen: Sollten die Märkte wieder mit einer strafferen Geldpolitik der US-Notenbank Fed rechnen, könnten die höheren Opportunitätskosten des Goldbesitzes stärker ins Gewicht fallen.
  3. Eine Eskalation im Nahen Osten: Handelsstörungen, etwa durch eine Schließung der Straße von Hormus, könnten die Inflation weiter anheizen. Höherer Preisdruck könnte wiederum verhindern, dass die Fed einen expansiveren geldpolitischen Kurs einschlägt.

Gold als Diversifikator
Für langfristig orientierte Anleger liegt die Attraktivität von Gold laut den AGI-Fondsmanagern ohnehin weniger in kurzfristigen Kursbewegungen als in seiner Funktion als Diversifikator. Insbesondere in Zeiten schwacher Währungen oder erhöhter Unsicherheit habe sich das Edelmetall häufig anders entwickelt als Aktien und Anleihen.

Die Kombination aus schwächerem Dollar, robuster Zentralbanknachfrage und unterstützender Saisonalität rücke Gold derzeit wieder stärker in den Fokus. Anleger können sich laut den Experten über physisch besicherte Produkte, das Edelmetall selbst oder Goldminenaktien positionieren. Letztere reagieren üblicherweise stärker auf Preisbewegungen als Gold selbst. (mb)