ING-Vorstandschef Ralph Hamers hat große Pläne für das Deutschlandgeschäft: So will die Bank ihr Angebot für Unternehmenskunden ausbauen. "In ausgewählten Fällen denken wir auch über Zukäufe nach", sagt Hamers im Interview mit dem "Handelsblatt". Die Bank könne zum Beispiel spezialisierte Teams kaufen, die im Privatkundenkreditgeschäft stark und erfahren sind. "Besitzen Unternehmen eine Technik, die wir haben wollen, greifen wir ebenfalls zu", so der Vorstandschef. Mit dem Kauf der Kreditplattform Lendico etwa wolle die Bank mittelständische Firmenkunden digital ansprechen.

Auch das Vor-Ort-Geschäft soll wachsen. Jüngst hat die ING Regionalbüros in Hamburg, Stuttgart, München, Essen und Frankfurt eröffnet. Weitere Niederlassungen sollen folgen. Damit möchte die Bank ihre "globale Expertise" lokal einsetzen, sagt Hamers. In Sachen Nachhaltigkeit will das Geldhaus mit neuen Produkten punkten, wie zum Beispiel grünen Schuldscheinen.

Generell macht seine Bank in Sachen Nachhaltigkeit und ESG zukünftig keine Kompromisse mehr. Geschäftsbeziehungen zu Kunden, die nicht nachhaltig wirtschaften, werden zur Disposition gestellt. "Haben wir den Eindruck, dass einzelne Kunden keine Nachhaltigkeitsfortschritte machen, können wir die Kundenbeziehung beenden. Zum Beispiel haben wir 2017 entschieden, keine Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren“, sagt der ING-Chef.

Grenzüberschreitende Fusionen sind schwierig
Im Fall einer Bankenkonsolidierung könnte die ING zukaufen, um nicht an Größenvorteilen zu verlieren. Grenzüberschreitende Fusionen könnten ebenfalls helfen, Kosten zu sparen und Synergien freizusetzen. Die ING besitze auch die Technologie, um solche "grenzüberschreitende Skaleneffekte zu erzielen", sagt Hamers. In der Praxis allerdings gestalte sich die Umsetzung schwierig. "Das Problem in Europa ist, dass die Bankenunion nicht vervollständigt ist."

Seit langem wird über eine Fusion zwischen der Commerzbank und der ING spekuliert. Die Vorstandschefs sollen sich bereits mehrfach zu informellen Gesprächen getroffen haben. Auf die Frage, ob es denn "interessante Gespräche" waren, sagte Hamers: "Bank-CEOs sprechen häufig miteinander. Wir treffen uns und tauschen uns über die Regulierung aus, über die Organisation unserer europäischen Interessensvertretung und über die Frage, wie wir mit manchen Herausforderungen umgehen." Konkrete Fusionspläne sollen aber kein Thema gewesen sein. (fp)