In Sachen Leitzins setzt Christine Lagarde auf Kontinuität statt Aktionismus. Er bleibt unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent, verkündete die seit Anfang November amtierende Französin auf ihrer ersten Sitzung als Präsidentin der Europäischen Zentralbankbank (EZB). Das berichtet der Nachrichtensender n-tv. Marktbeobachter hatten aber auch so früh nicht mit einem grundlegenden Kurswechsel gerechnet.

Sie richteten ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Zwischentöne: So bekräftigte Lagarde zwar, dass sie eine ultralockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für notwendig hält. Allerdings will sie mögliche Nebenwirkungen genauer untersuchen und jeden Stein umdrehen. "Lagarde gab eine etwas optimistischere Einschätzung der Wachstums- und Inflationsaussichten ab, klang allerdings vorsichtiger in Bezug auf die möglichen Folgen negativer Zinsen", analysiert Paul Diggle, Volkswirt bei Aberdeen Standard.

EZB dürfte 2020 überrascht werden
Einen Großteil der Konferenz nahmen die Ausführungen Lagardes zur Überarbeitung der geldpolitischen Strategie ein. Diese soll im Januar beginnen und vor Jahresende abgeschlossen sein. "Es sollen alle Aspekte der Geldpolitik durchleuchtet werden, Dreh- und Angelpunkt wird aber die Definition des mittelfristigen Ziels für die Preisstabilität sein, das zurzeit mit einer Inflationsrate von unter, aber nahe zwei Prozent definiert ist", sagt Bantleon-Anlagestratege Jörg Angelé.

Er hält Lagardes Prognosen für Wachstum und Inflation für das Jahr 2020 für zu vorsichtig. "Wir gehen davon aus, dass die EZB im nächsten Jahr von einem stärkeren Anstieg der Inflation als jetzt projiziert überrascht wird und sich die Konjunktur besser entwickeln wird als derzeit erwartet", erklärt Angelé. Eine nochmalige Leitzinssenkung wäre damit vom Tisch. (fp)