Im US-Wahljahr richten sich die Augen der Anleger normalerweise schon weit im Voraus Richtung Washington. In diesem Jahr stellt die Covid-19-Pandemie die bevorstehende US-Wahl am 3. November allerdings in den Schatten. Mögliche Auswirkungen eines Machtwechsels sind an den Märkten daher womöglich noch nicht eingepreist, warnt Joseph Amato, Chefanlagestratege für Aktien beim US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman. Dabei könnte der politische Wechsel weitreichende Folgen für die Kapitalmärkte haben.

Aktuelle Umfragezahlen sprechen dafür, dass Joe Biden die Wahl gewinnt. Gelangt der Demokrat ins Weiße Haus, müssen US-Amerikaner mit Steuererhöhungen rechnen – sowohl bei der Einkommensteuer als auch bei der Unternehmensteuer. Das hat traditionell einen negativen Effekt auf Aktien: Bei Unternehmen aus dem S&P-500-Index könnten die Gewinne pro Aktie für jeden Prozentpunkt Steuererhöhung um einen US-Dollar sinken, befürchten Experten. 

Ruhe vor dem Sturm
Neben Steuererhöhungen sieht Biden mehr Regulierung sowie Änderungen in der Gesundheitspolitik, im Umweltschutz und in der Infrastruktur vor. Anlageprofi Amato rät Investoren, schon jetzt Sektoren mit politischen Risiken im Blick zu behalten, vor allem den Energie- und Finanzsektor, E-Commerce sowie Pharma- und Technologiekonzerne. "Investoren sollten sich von der Ruhe vor dem Sturm nicht täuschen lassen und vorbereitet sein, wenn die Show beginnt und die Märkte die Wahlen nicht länger ignorieren", sagt Amato. (fp)