Polizei und Staatsanwaltschaft in Braunschweig, Göttingen und Rostock haben gemeinsam mit Europol und Eurojust, der EU-Agentur für die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, ein internationales Netzwerk von Online-Anlagebetrügern gesprengt. Dabei wurden vergangene Woche Gewerbe- und Privaträume auf Zypern, in der Ukraine, Bulgarien und in den Niederlanden durchsucht. Die Gauner erbeuteten mit Phishing-Mails und falscher Werbung über Social-Media-Kanäle jährlich bis zu 500 Millionen Euro an Anlagegeldern, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. 

Mario Krause, Leiter des Fachkommissariats Cybercrime in Niedersachsen, spricht laut FAZ von "Zehntausenden Opfern", die dem gewerbsmäßigen Betrug von Plattformen wie etwa "Fx-Leader" aufgesessen sein sollen. Zumeist ging es dabei um Differenzkontrakte: Die leichtgläubigen Kunden wurden mit zunächst kleinen Mindest-Anlagesummen angelockt – die jedoch mit hohen Ausfallrisiken einhergingen. Falsche Berater in Callcentern animierten die Kunden dazu, fünf- oder sechsstellige Summen einzusetzen. Wer die angeblichen Gewinne abheben wollte, wurde stets vertröstet, schildert die Tageszeitung. 

"Alles weg"
Die deutsche Finanzaufsicht Bafin habe Verbraucher bereits 2018 vor dem hochriskanten Handel mit derartigen Differenzkontrakten gewarnt, so ein Bafin-Sprecher gegenüber der FAZ. Die Chancen für die Geschädigten, ihr eingesetztes Geld wiederzubekommen, schätzt Oberstaatsanwalt Harald Nowack aus Rostock als gering ein. "Alles, was sie angelegt haben, ist weg", zitiert ihn die FAZ. Das Geld sei unmittelbar nach den Einzahlungen auf andere Konten übermittelt worden. (fp)