Ende März ist die Aktienvolatilität einmal mehr mit Macht an die Märkte zurückgekehrt, wenn auch nur kurzzeitig. Aus Sorge vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China verloren Aktien binnen acht Tagen rund fünf Prozent an Wert. "Damit wurden fast vier Billionen US-Dollar an globaler Marktkapitalisierung vernichtet", sagt David F. Lafferty, Chef-Marktstratege bei Natixis Investment Managers. Anleger sind unsicher geworden – und schätzen die Marktlage sehr unterschiedlich ein.

Die Makro-Bullen glauben an die fundamentale Stärke der Weltwirtschaft, analysiert Lafferty. "Diese Sichtweise leidet jedoch an ihrer Aktualität und an der Fähigkeit, Erwartungen zu überwinden." Die jüngsten Makrodaten sind jedenfalls uneindeutig. Die langfristigen Bullen glauben wiederum, dass die Börsen ausgehend vom Tiefpunkt im März 2009 in einen Aufwärtstrend gestartet sind, der Jahre andauern kann. "Das ist sicher plausibel, aber mit zwei Vorbehalten", erklärt Lafferty. Erstens sind die Aktienkurse seitdem enorm gestiegen. Zweitens dürften weitere Kursgewinne bei heute voll bewerteten Aktien vor allem vom Gewinnwachstum getrieben sein.

Technischer Optimismus trifft auf geopolitische Sorgen
Die technischen Bullen gehen davon aus, dass der Markt von einzelnen positiven Impulsen gestützt wird. "Bei dieser Theorie fehlt es an der Fortschreibung", so der Stratege. "Die Märkte ändern sich." Mehrere kurstreibende Faktoren sind nicht mehr garantiert, etwa die niedrigen Zinsen. Die gestiegene Marktvolatilität deutet an, dass sich der Status Quo ändert.

Auf der anderen Seite glauben die überbewerteten Bären, dass Aktien schlicht zu teuer sind. Auf kurze Sicht ist die Bewertung allein aber ein schlechter Indikator für die temporäre Marktentwicklung, sagt der Natixis-Experte. Die Zins-Bären meinen, dass eine Kombination aus Inflation, höheren Zinsen und strafferer Geldpolitik die Aktienmärkte in die Knie zwingen wird. Eine berechtigte Befürchtung – allerdings ist die Inflation zuletzt gesunken. Die geopolitischen Bären wiederum glauben, dass die Welt generell instabiler geworden ist. Geopolitische Beobachtungen sind aber ein schlechtes Kriterium für den Portfolioaufbau.

Schnäppchenjagd bleibt aussichtsreich
Bei Natixis geht man davon aus, dass globale Aktien durch starke Fundamentaldaten nach unten und erhöhte Bewertungen nach oben begrenzt sind. "In diesem zufriedenstellenden Umfeld für Aktien orientieren wir uns weiterhin an geringen Beteiligungen an weniger umsatzstarken Werten", sagt Lafferty. "Alternative und nicht-korrelierte Strategien, die im Ansturm der Hausse zurücklagen, sind weiter attraktiv, je mehr der Zyklus fortschreitet." (fp)