Wenn unerwartete Ereignisse Volkswirtschaften und Kapitalmärkte zum Taumeln bringen, sprechen Politiker, Ökonomen und Vermögensverwalter gerne von einem "Schwarzen Schwan". Die Tiere kommen in der Natur extrem selten vor und stehen daher auch in der volkswirtschaftlichen Theorie für extrem unwahrscheinliche Ereignisse, die das Gewohnte aus dem Gleichgewicht bringen. In der Corona-Krise greifen Experten nun vermehrt auf dieses Wortbild zurück, um den plötzlichen Kursverfall bei Aktien verständlich zu machen –und um die milliardenschweren staatlichen Notmaßnahmen zu rechtfertigen. 

Der New Yorker Professor Nassim Taleb hat den Begriff einst in seinem Buch "Der schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" mitgeprägt. In einem Gastbeitrag für die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) erklärt er zusammen mit seinem Co-Autoren Mark Spitznagel, warum die Corona-Pandemie mitnichten als Black-Swan-Event gelten darf, "auf das nicht vorbereitet zu sein entschuldbar ist." Im Gegenteil: Aufmerksame Leser seines Buches müssten eigentlich wissen, dass eine globale Pandemie dort klar und eindeutig als weißer Schwan bezeichnet wird – als "ein Ereignis mithin, das mit Gewissheit irgendwann eintreffen wird."

Gravierende Folgen
Solche Pandemien sind laut Taleb nämlich unvermeidbar. Sie sind "das Resultat der Struktur der modernen Gesellschaft", erklärte der Professor in der Zeitung. Dabei seien die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Ereignisses umso gravierender, je mehr die internationale Verflechtung und die übertriebene Optimierung zunimmt. (fp)