Cloud-Computing boomt und ist für viele Investoren attraktiv. Allerdings gelten die benötigten Mega-Rechenzentren landläufig als wenig klimafreundlich, brauchen sie doch Unmengen an Strom. Experten widersprechen dieser Einschätzung nun: "Investitionen in die Cloud sind nachhaltiger als viele denken", sagt Hendrik-Jan Boer, Nachhaltigkeitsexperte bei NN Investment Partners. 

Rechenzentren benötigen demnach zwar drei Prozent des weltweit produzierten Stroms und emittieren zwei Prozent der Treibhausgasemissionen, soviel wie die gesamte Luftfahrtindustrie. "Doch im Unterschied zur Luftfahrt steigert Cloud Computing die Energieeffizienz und wächst nachhaltig", sagt Boer. Denn eine Cloud-basierte Infrastruktur ist energieeffizienter als ein herkömmliches, vor Ort installiertes System. Unterm Strich benötigen Cloud-Kunden Boer zufolge insgesamt nur 16 Prozent der Energie, die sie bei Nutzung einer herkömmlichen lokalen Infrastruktur verbrauchen würden.

Größere Effizienz reduziert CO2-Ausstoß
Als wesentlichen Grund für die CO2-Einsparung nennt der Experte, dass eine sogenannte Hyperscale-Cloud-Infrastruktur eine Servernutzungsrate von rund 65 Prozent erzielt, während eine lokale Serverinfrastruktur durchschnittlich nur rund 15 Prozent der Kapazität nutzt. Zudem sei die Energieeffizienz einer durchschnittlichen lokalen Lösung 29 Prozent schlechter als die eines großen Cloud-Anbieters. 

Außerdem setzen IT-Unternehmen, deren Produkte auf Cloud-Diensten basieren, verstärkt auf Ökostrom: Cloud-Unternehmen wie Adobe, Microsoft Azure und Amazon Web Services haben sich verpflichtet, zu 100 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen und sind diesem Ziel bereits ein gutes Stück näher gekommen, so Boer. Er nennt Microsoft als Beispiel, an dem sich der CO2-Vorteil gut aufzeigen lässt: Das Unternehmen sei auf dem Weg, seinen CO2-Fußabdruck bis zum Jahr 2030 um 75 Prozent gegenüber dem Jahr 2013 zu senken. "Wenn man Microsofts Nutzung von erneuerbaren Energien berücksichtigt, liegt der CO2-Ausstoß der Microsoft Cloud-Infrastruktur 92 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Rechenzentren", sagt Boer. (fp)