Mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der Österreicher wünscht sich, das Geld nachhaltiger als bisher anzulegen. Das zeigt eine Studie der Raiffeisen KAG, für die diesen Jänner 2.229 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt wurden. Zwar ist das Bewusstsein im Bereich Geldanlage noch deutlich weniger ausgeprägt als zum Beispiel beim Einkaufen, wo 72 Prozent sagen, sie wollen künftig gern mehr Rücksicht nehmen. Aber vor allem die Jungen sehen Nachhaltigkeit mittlerweile sehr stark auch im Finanzbereich verankert: Unter den 18- bis 29-Jährigen möchte ein knappes Drittel (31 Prozent) künftig noch bewusster investieren.

Die Tendenz ist dabei stark steigend. Die Raiffeisen KAG selbst verweist etwa darauf, dass sich das von ihr in nachhaltigen Fonds verwaltete Vermögen im Vorjahr verdoppelt hat.

Exakte Angabe von Unternehmen und Ländern gewünscht
Beachtenswert ist, dass die Österreicher bei diesem Thema sehr konkrete Anlage- und Beratungsvorstellungen haben. Es mag weniger überraschen, dass die Befragten in der erwähnten Studie an erster Stelle wollen, dass ihr Geld in Unternehmen fließt, die umweltschonend handeln (55 Prozent) beziehungsweise, die faire Arbeitsbedingungen haben (53 Prozent). Erstaunlicher ist, dass an dritter Stelle (51 Prozent) die Befragten sagen, sie möchten genau wissen, in welche Unternehmen und in welchen Ländern ihr Geld veranlagt wird.

Daraus lässt sich ein wichtiger Hinweis für die Beratungszukunft ableiten: Mit Pauschalangaben werden viele Kunden nicht zufrieden sein. Geht es nach dem EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen, müssen Vermögensberater oder Versicherungsmakler und -agenten, die Versicherungsanlageprodukte verkaufen, im Kundengespräch künftig verpflichtend die Nachhaltigkeitsbedürfnisse ermitteln. Spätestens dann wird es zu Nachfragen kommen.

Und diese dürften – gerade wenn es um Fondsinvestments geht – nicht immer einfach zu beantworten sein. Warum hat zum Beispiel ein Fonds, der angeblich nachhaltig ausgerichtet ist, hohe Positionen bei Coca Cola aufgebaut? Berater tun gut daran, wenn sie bereits jetzt die Fondsgesellschaften darauf in den Weiterbildungen anstoßen. Die Tatsache, dass unter Nachhaltigkeit jeder etwas anderes versteht, macht den ESG-Trend am Ende auch zur Herausforderung für den Finanzvertrieb. (eml)