Eine Vorliebe für regionale Produkte mag beim Wocheneinkauf vorbildlich sein, bei der Geldanlage ist der Ansatz jedoch weniger erfolgversprechend. Eine Studie der Frankfurt School of Finance & Management im Auftrag des Vermögensverwalters Nomura Asset Management zeigt: Institutionelle Investoren in Deutschland legen übermäßig große Anteile ihres Kapitals am Heimatmarkt an und erzielten dadurch in den vergangenen zehn Jahren erheblich geringere Renditen als diversifizierte Portfolios.

"Durch ihre noch immer starke Heimatbezogenheit müssen die institutionellen Anleger hohe Nutzenverluste in Kauf nehmen. Die deutliche Übergewichtung von deutschen und europäischen Aktien führt zu ineffizienten Portfolios", sagt Olaf Stotz, Professor für Asset Management und Ruhestandsökonomik an der Frankfurt School of Finance & Management. Laut Studie mussten institutionelle Anleger mit "Home Bias" jährlich im Durchschnitt auf 2,54 Prozentpunkte an Rendite verzichten. Eine Beispielrechnung: Legen institutionelle Investoren im Jahr rund 600 Milliarden Euro in Aktien an, entgehen ihnen im Schnitt pro Jahr rund 15 Milliarden Euro an möglichen Gewinnen. "Der Home Bias kostet die Investoren einerseits Rendite und erhöht andererseits die Risiken", sagt Vermögensexperte Stotz.

Gewichte verschiedener Anlageregionen in deutschen institutionellen Portfolios

Quelle: Nomura AM

"Im Anleihenportfolio kämpfen die Anleger mit allen Mitteln um den letzten Basispunkt, während im Aktienportfolio leicht zu erreichende Diversifikationsvorteile liegen gelassen werden", sagt Gerhard Engler, Geschäftsführer von Nomura Asset Management. Die Risikowahrnehmung der Anleger sei deutlich verzerrt, vor allem mit Blick auf asiatische Märkte, bestätigt Stotz: "Wir sehen das auch in der Einschätzung unterschiedlicher Risikoarten, die mit Ausnahme von Zinsrisiken allesamt in Asien höher eingeschätzt werden als in Europa. Wäre dies zutreffend, müssten auch die Schwankungen höher ausfallen, was jedoch nicht der Fall ist." (fp)