Nachdem Deutschland bereits im August eine 30-jährige Bundesanleihe zu einem Kupon von null Prozent begeben hat, dürften sich Bondanleger fragen, wie weit es mit den Zinsen noch nach unten gehen kann – und was das für ihr Portfolio bedeutet. Die Schuldtitel vieler Industrieländer haben bereits eine negative Realverzinsung – und es könnte noch schlimmer kommen, schwant Reinhard Panse, CIO von HQ Trust. Die folgende Grafik zeigt den Ist-Zustand:

Quellen: Thomson Reuters Datastream, HQ Trust; August 2019

Panse geht in seinem Basisszenario bei Anleiheportfolien von einem langfristigen realen Ertrag von minus fünf Prozent aus. Der Hintergrund: "Obwohl am Horizont die Inflationsgefahren spürbar zunehmen, diskutiert alle Welt über Deflationsrisiken.“ Dabei üsste eigentlich das Gegenteil der Fall sein.

Panse nennt als Ursache für eine nach rationalen Maßstäben mittelfristig kletternde Teuerungsrate zu allererst die Demografie: "Die Babyboomer in vielen Industrieländern, aber zunehmend auch in China und Russland beginnen, in den Ruhestand zu gehen. Damit steigt das Missverhältnis zwischen Konsumenten und Arbeitskräften weiter an.“ Zweitens Isolation:  "Die Einschränkung von Handel und Kapitalverkehr führt zu steigenden Preisen von Importgütern und mehr Preissetzungsmacht für inländische Firmen.“ Und schließlich gibt es da noch das politisch hochbrisante Thema Umverteilung beziehungsweise Wohlstandsteilhabe: "Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Demokratien den Sozialstaat mit höheren Leistungen aus politischen Gründen massiv ausgebaut.“ (kb)