Globale Hedgefonds-Manager haben nach der Einigung zwischen den USA und dem Iran erste Anlagechancen identifiziert. Im Fokus stehen kurzlaufende US-Staatsanleihen, stark gefallene asiatische Währungen sowie ausgewählte Aktien – darunter auch Hersteller von Instantnudeln.

Während kurzfristig orientierte Investoren ihre Strategien aus der Zeit vor dem Krieg wieder aufnehmen, sehen sowohl Grey Value Management aus Florida als auch Reed Capital Partners in Singapur Potenzial bei US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Reed Capital kauft zudem den Yen. Vantage Point Asset Management erwartet eine überdurchschnittliche Entwicklung bei zuvor stark gefallenen Aktien in Südostasien.

Thomas Hayes, Chairman des Hedgefonds Great Hill Capital in New York, richtet seinen Blick auf US-Konsumwerte. Mit der Rückkehr des Vertrauens könnten sich hier Kaufgelegenheiten ergeben. "Mit nachlassenden Inflationserwartungen infolge der Einigung lautet die Strategie, zu dem zurückzukehren, was im Januar oder Februar funktioniert hat – vor dem Krieg”, sagte Hayes. Seine Firma verwaltet mehr als eine Milliarde US-Dollar.

Ölpreisrückgang stützt Aktien und Anleihen
Das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, das am Freitag (19.6.) unterzeichnet werden soll, beseitigt eine zentrale Belastung für die globalen Märkte. Die monatelangen Kämpfe hatten die größte Störung der Ölversorgung in der Geschichte ausgelöst und weltweit Inflationssorgen verstärkt.

Am Montag (15.6.) fiel der Ölpreis, was eine Rally bei Aktien und Anleihen auslöste. Gleichzeitig verlor der Dollar an Wert, da die Nachfrage nach sicheren Anlagen nachließ. US-Staatsanleihen legten über alle Laufzeiten hinweg zu. Hintergrund ist der Rückgang der Ölpreise, der Händler dazu veranlasste, ihre Erwartungen an Zinserhöhungen der Federal Reserve zu reduzieren.

Chancen in Asien
Chauwei Yak, Chief Executive Officer von GAO Capital in Singapur, sieht insbesondere Chancen in Asien. Die Region hatte unter dem Krieg stark gelitten, da ihre großen Volkswirtschaften auf Ölimporte angewiesen sind. Aktienmärkte in Indien und Indonesien zählen in diesem Jahr zu den schwächsten weltweit, während ihre Währungen auf Rekordtiefs gefallen sind.

"Wir können einige Unternehmen neu bewerten, die von hohen Ölpreisen betroffen gewesen wären, wenn sich der Krieg bis in den Sommer gezogen hätte, etwa Instantnudelhersteller wegen ihrer Abhängigkeit von Palmöl", sagte Yak. Seit Beginn des Krieges ist der MSCI Asia Pacific Index zwar um mehr als sieben Prozent gestiegen, doch nur der Technologiesektor verzeichnete Gewinne. Die übrigen zehn Branchengruppen gaben nach.

Ecaterina Bigos von BNP Paribas Asset Management betonte, strukturell unterstützte Themen blieben etwa Investitionen in künstliche Intelligenz und erneuerbare Energien. Das Unternehmen verwaltet weltweit mehr als 1,6 Billionen Euro. Bigos ist CIO und berät bei Long-Short-Strategien für Kernanlagen in Asien (ohne Japan) innerhalb des Unternehmens.

Nick Ferres von Vantage sieht ebenfalls Chancen in stark gefallenen südostasiatischen Aktien. "Es gibt möglicherweise Chancen in 'ungeliebten' Märkten, die unterdurchschnittlich abgeschnitten haben – Südostasien –, auch wenn Anleger sich wahrscheinlich weiterhin auf das dominante Thema konzentrieren werden, KI und KI-Infrastruktur", meint der Investmentchef.

Krypto kehrt auf den Einkaufszettel zurück
Auch Kryptowährungen legten zu. Bitcoin erreichte ein Niveau nahe einem Zwei-Wochen-Hoch, nachdem er zuvor auf den niedrigsten Stand seit Donald Trumps Wahlsieg 2024 gefallen war. Trotz der Erholung liegt der Kurs weiterhin rund 48 Prozent unter dem Rekordhoch vom Oktober. Händler bleiben vorsichtig und warten auf klare Signale für ein tatsächliches Ende des Konflikts.

"Wir haben am Wochenende einen Teil unserer Cash-Bestände in Krypto investiert, vor allem in Krypto-KI-Projekte", sagte Richard Galvin, Executive Chairman des Krypto-Investmentunternehmens DACM. "Aber wir bleiben etwas vorsichtig, da der Iran und die USA das endgültige Friedensabkommen noch nicht unterzeichnet haben."

Yen und Anleihen gefragt
Im Bereich Währungen und Anleihen zeichnen Hedgefonds ein differenzierteres Bild. Matthew Haupt von Wilson Asset Management, das mehr als sechs Milliarden australische Dollar (rund 3,7 Mrd. Euro) verwaltet, gehört zu den Käufern globaler Anleihen. "Langläufer machen durchaus Sinn", sagte er. "Zentralbanken können nun weniger restriktiv agieren."

Steven Grey von Grey Value Management äußerte sich "vorsichtig optimistisch" und hält insbesondere kurzlaufende US-Staatsanleihen für attraktiv bewertet. Die Rendite zweijähriger US-Anleihen fiel am Montag (15.6.) um sechs Basispunkte auf 4,02 Prozent, während zehnjährige Anleihen um fünf Basispunkte auf 4,43 Prozent nachgaben.

Abkehr vom Dollar
Der Dollar verliert unterdessen für einige Hedgefonds an Attraktivität, da mit sinkenden geopolitischen Risiken auch die Nachfrage nach der Reservewährung nachlässt. Ein Bloomberg-Dollar-Index fiel am Montag (15.6.) um bis zu 0,3 Prozent. Besonders Währungen aus Schwellenländern profitierten. Auch der Yen gewinnt wieder an Interesse, nachdem er zuvor unter Japans hoher Abhängigkeit von Energieimporten gelitten hatte.

"Wir kaufen den Yen und positionieren uns sowohl für einen möglicherweise überbewerteten Dollar als auch für einen strukturell positiven Ausblick auf die japanische Währung", sagte Gerald Gan, CIO von Reed Capital, das 600 Millionen Dollar verwaltet. (mb/Bloomberg)