Im Kern klingt die Idee charmant: Beim "Rebalancing" bringen Anleger ihr Portfolio aus Streuungssicht nach gegebener Zeit wieder in die Ausgangslage, also hinsichtlich der Assetgewichtung zurück zur Startaufstellung. Performancestarke und damit übergewichtig gewordene Assets werden zum Stichtag verkauft und statt ihrer von der Wertentwicklung zurückgebliebene Wertpapiere aufgestockt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die ursprünglich als richtig erkannte Mischung bleibt erhalten, und man geht mit dem gleichen Risikoprofil in die nächste Saison. Der Nachteil: Laufen bisherige Renditerenner – etwa Aktien – auch weiterhin gut (und Nachzügler verlieren zusehends den Anschluss), entgeht beim automatischen Glattstellen Rendite. Obendrein fallen für die Umschichtungen Gebühren an.

Dennoch: Rebalancing sei so ähnlich, wie Zahnseide zu benutzen, stellt Morningstar fest: Man weiß eigentlich, dass es wichtig ist, und trotzdem lässt man die lästige Pflicht gerne schleifen. Die Quittung gab es im Februar und März, als die Börsen im Zuge der Covid-19-Krise massiv einbrachen und insbesondere Investoren mit einem hohen Aktienengagement enorme Verluste verzeichneten. Buy-and-Hold-Portfolios haben in diesen Wochen und Monaten am meisten gelitten, zeigt eine Analyse der Fondsratingagentur für ein Musterportfolio, dessen Startausstattung zu 60 Prozent aus US-Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht. Ergebnis: Sie verloren vom 19. Februar bis zum 23. März im Schnitt rund 27,8 Prozent an Wert.

Wer sein Portfolio dagegen regelmäßig, also nach festem Zeitplan, neu ausrichtet, kam weitaus glimpflicher davon. Bei vierteljährlicher und jährlicher Neugewichtung lag der durchschnittliche Verlust bei 20,67 Prozent, bei täglicher Neugewichtung waren es 21,34 Prozent. Das etwas schlechtere Ergebnis auf Tagesbasis erklären sich die Analysten damit, dass Anleger in Zeiten anhaltender Verluste wie im Fall des Corona-Crashs wiederholt "die Baisse gekauft" hätten. Wie es um die Verlustvermeidung steht, wenn der Portfoliomix generell nach Erreichen einer fünfprozentigen Ober- respektive Untermarke korrigiert wird, wurde ebenfalls ermittelt (siehe Grafik).

Quelle: Morningstar

Jährliches Rebalancing ist Trumpf
Rebalancing konnte demnach nicht nur die Verluste begrenzen. Es reduzierte auch die grundsätzliche Volatilität des Portfolios, also das Risiko. Die durchschnittlichen Standardabweichungen waren laut Morningstar um 15 Prozent niedriger als beim Buy-and-Hold-Ansatz. Am besten fuhren Investoren, die ein jährliches Rebalancing durchführen. Sie kommen rückgerechnet bis zum Jahresanfang 1994 laut Morningstar auf eine annualisierte Standardabweichung von 8,55 Prozent in den letzten 15 Jahren.

Auch die Wertentwicklung kann sich sehen lassen: Rebalancing ist zwar vom Grundgedanken her nicht dazu gedacht, die Erträge zu steigern, aber dank der Verlustbegrenzung gab es dennoch bemerkenswerte Unterschiede in der Performance. Wer sein Depot einmal jährlich  zurücksetzt, konnte in den vergangenen 20 Jahren eine annualisierte Rendite von 6,13 Prozent einstreichen. Wer gar nichts tat, bezahlte dies mit einer Minderperformance von jährlich 0,34 Prozentpunkten (5,79 Prozent Rendite). (fp/ps)