Starkes Gewinnwachstum schützt den S&P 500 vor stärkeren Verlusten und überdeckt einen breiteren Rückgang bei US-Aktien. Das sagen Strategen von der Investmentbank Morgan Stanley.

Das Team um Michael Wilson verweist auf robuste Gewinne und eine anhaltende wirtschaftliche Erholung als Gründe dafür, dass der S&P 500 seit seinem Rekordhoch im Januar um weniger als zehn Prozent gefallen ist. Unter der Oberfläche sehen sie jedoch Anzeichen dafür, dass sich der Markt in der "Endphase" einer Korrektur befindet.

Markt hat Risiken bereits eingepreist
Zur Beurteilung des Rückgangs am US-Aktienmarkt gebe es bessere Kennzahlen, so die Strategen: Die erwarteten Gewinne je Aktie für den S&P 500 seien seit ihrem Höchststand im Oktober um 18 Prozent gesunken. Zudem liege mehr als die Hälfte der Aktien im Russell 3000 mindestens 20 Prozent im Minus.

"Für uns ist das kein Zeichen von Sorglosigkeit, sondern ein Markt, der die Risiken sowohl auf Index- als auch auf Einzeltitelebene angemessen und gezielt eingepreist hat", sagte Wilson. Risiken aus dem Private-Credit-Markt sowie durch Disruptionen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) seien ebenfalls berücksichtigt.

Geopolitik belastet erneut
Der S&P 500 steuerte am Montag (13.4.) auf neue Verluste zu, nachdem Gespräche zwischen den USA und Iran am Wochenende ohne diplomatische Lösung geblieben waren und US-Präsident Donald Trump eine Blockade der Straße von Hormus angeordnet hatte.

Trotz der Risiken zeigen sich Analysten an der Wall Street weiterhin zuversichtlich: Sie erwarten ein Gewinnwachstum von zwölf Prozent für die Unternehmen im S&P 500 im ersten Quartal. Die Berichtssaison beginnt in dieser Woche mit Zahlen der Goldman Sachs Group.

Zykliker und Qualitätsaktien im Fokus
Die Strategen von Morgan Stanley bevorzugen weiterhin zyklische Werte, darunter Finanz-, Industrie- und Konsumtitel, und verweisen auf starke Gewinne sowie gesunkene Bewertungen. Chancen sehen sie auch bei wachstumsstarken Qualitätsaktien wie Anbietern von KI-Cloud-Diensten, bei denen sich Stimmung und Bewertungen auf attraktivere Niveaus zurückgesetzt hätten.

Investoren sollten bereit sein, wieder mehr Risiko einzugehen, auch wenn der Krieg im Nahen Osten weiterhin Fragen zur Energieversorgung und zur geldpolitischen Entwicklung aufwirft, so die Strategen. "Die Endphase einer Korrektur ist selten einfach und könnte einen erneuten Test für die Märkte erfordern, insbesondere wenn Zinsen oder die Volatilität an den Anleihemärkten wieder steigen", schrieb das Team. (mb/Bloomberg)