Morgan-Stanley-Chefstratege: US-Aktien droht neue Korrekturwelle
Ungelöste Handelskonflikte, schwächelnde Gewinnprognosen und Kreditausfälle könnten US-Aktien kurzfristig belasten – auch wenn der langfristige Aufwärtstrend intakt bleibt, meint Michael Wilson von Morgan Stanley.
Die US-Aktienmärkte bleiben laut Michael Wilson, Investmentchef von Morgan Stanley, unter Druck. Ungelöste Handelsspannungen zwischen den USA und China, schwächer werdende Gewinnrevisionen und Anzeichen von Stress im Kreditmarkt dürften Anleger kurzfristig vorsichtiger werden lassen.
Der S&P 500 hat die Verluste, die durch die jüngste Eskalation im Handelsstreit entstanden sind, bislang nicht wettgemacht. Gleichzeitig verlangsamt sich die Dynamik bei Gewinnschätzungen, während die Berichtssaison an Fahrt aufnimmt. Hinzu kommen Probleme im Kreditsektor: Nach Kreditausfällen bei zwei Regionalbanken zeigen sich erste Risse in der Stabilität des Marktes.

Handelskonflikt könnte US-Börsen um elf Prozent drücken
"Es ist wichtig, klare Signale für eine Entspannung im Handelskonflikt, Stabilität bei den Gewinnrevisionen und ausreichend Liquidität zu sehen, bevor man Entwarnung geben kann",
schrieben die Morgan-Stanley-Strategen in einer aktuellen Analyse.
Wilson warnte zuletzt, dass US-Aktien um bis zu elf Prozent fallen könnten, sollte der Handelskonflikt mit China nicht vor Inkrafttreten der zusätzlichen 100-Prozent-Zölle am 1. November gelöst werden.
Kurzfristig vorsichtig, langfristig optimistisch
Trotz seiner vorsichtigen Haltung im kurzfristigen Zeitfenster hält Wilson an seiner positiven mittelfristigen Prognose fest. Er rechnet innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate mit einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung – und bleibt grundsätzlich bullisch für US-Aktien.
Wilson war einer der wenigen Strategen, die nach dem zollbedingten Ausverkauf im April eine kräftige Erholung korrekt vorhergesagt hatten.
Trump-Kommentare stützen Marktstimmung
Zum Wochenstart legten US-Aktien leicht zu, nachdem US-Präsident Donald Trump optimistische Töne angeschlagen hatte. Er nannte Seltene Erden, Fentanyl und Sojabohnen als zentrale Themen für die anstehenden Gespräche mit China – ein Hinweis darauf, dass eine Annäherung beider Seiten möglich ist.
Gleichzeitig sorgten Sorgen über die Verluste bei Zions Bancorp und Western Alliance Bancorp für Turbulenzen. Der Volatilitätsindex Vix verharrt nahe der Marke von 20 Punkten, dem oberen Bereich der letzten sechs Monate. Laut Deutsche-Bank-Stratege Parag Thatte erlebte die Aktienpositionierung in der Vorwoche den stärksten Rückgang seit dem April-Crash.
Ein von Morgan Stanley beobachteter Index für Gewinnrevisionen hat zuletzt an Schwung verloren und notiert nun im negativen Bereich. Wilson sieht das jedoch nicht als Alarmzeichen, sondern als saisonale Pause – ein möglicher Zwischenschritt vor dem nächsten Aufwärtsschub.
Unternehmensgewinne überraschen positiv
Laut John Stoltzfus, Chefstratege von Oppenheimer Asset Management, verläuft die Berichtssaison besser als erwartet. Die S&P-500-Unternehmen, die bisher berichtet haben, verzeichnen im Schnitt ein Gewinnwachstum von 16 Prozent, deutlich über den erwarteten zwölf Prozent.
Die Tatsache, dass große US-Unternehmen trotz der Risiken über den Prognosen liegen, zeigt laut Stoltzfus, dass es "genug Widerstandskraft gibt, um den Aktienmärkten weiter Auftrieb zu geben". (mb/Bloomberg)















