Die Ratingagentur Moody's sieht die US-Wirtschaft gefährlich nahe an einer Rezession. Schon vor Ausbruch des Iran-Kriegs lag die Wahrscheinlichkeit laut einem KI-gestützten Modell bei 49 Prozent – nun dürfte sie durch steigende Ölpreise über die Marke von 50 Prozent steigen. Damit erreicht das Risiko den höchsten Stand seit Jahren.

Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics, verweist im Gespräch mit dem TV-Sender "Euronews" vor allem auf schwache Arbeitsmarktdaten: "Hinter dem jüngsten Anstieg stehen in erster Linie schwache Beschäftigungszahlen – doch praktisch alle Konjunkturdaten haben sich seit Ende des Vorjahres eingetrübt."

Ölpreise als entscheidender Auslöser
Die Bedeutung steigender Energiepreise ist historisch belegt: Jede US-Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg – mit Ausnahme der Pandemie – wurde von einem Ölpreisschock begleitet. Aktuell notiert US-Öl bei rund 95 Dollar pro Barrel, während die wichtige Straße von Hormus weiterhin blockiert ist.

Trotz hoher Eigenproduktion bleiben die USA verwundbar. "Höhere Ölpreise treffen Verbraucher deutlich stärker und schneller, als sie Investitionen der Produzenten ankurbeln", erklärt Zandi.

Arbeitsmarkt sendet Warnsignale
Der Arbeitsmarkt gilt als zentraler Indikator. Die Beschäftigung stagnierte zuletzt über Monate, im Februar gab es sogar Rückgänge. Zudem wurden 16 der vergangenen 19 Jobberichte nachträglich nach unten korrigiert – ein Höchstwert seit der Finanzkrise.

Somit könnte die Lage sogar noch unterschätzt werden. "Wenn überhaupt, deutet das darauf hin, dass der Arbeitsmarkt schwächer ist als gedacht und die Rezessionsrisiken höher sind", so Zandi gegenüber "Euronews". Weitere Warnzeichen sind rückläufige Baugenehmigungen und eine schwächere Konsumentenstimmung.

Gefahr einer "sich selbst verstärkenden Negativspirale"
Besonders kritisch ist die Kombination aus steigenden Energiekosten und schwachem Arbeitsmarkt. Laut Zandi droht eine "sich selbst verstärkende Negativspirale": sinkende Kaufkraft, weniger Konsum, zurückhaltende Unternehmen und steigende Arbeitslosigkeit.

Sollte der Ölpreis noch einige Wochen auf hohem Niveau bleiben, sieht der Ökonom kaum Auswege ohne politische Unterstützung oder eine Entspannung im Nahen Osten.

Globale Folgen wahrscheinlich
Eine US-Rezession würde auch Europa treffen – etwa durch geringere Exportnachfrage und strengere Finanzierungsbedingungen. Zwar könnte die diversifizierte Handelsstruktur der EU die Auswirkungen abfedern, dennoch drohen Wachstumsverluste.

International verschärfen steigende Ölpreise die Lage zusätzlich: Laut IWF erhöht ein Preisanstieg um zehn Prozent die globale Inflation um 0,4 Prozent und senkt die Wirtschaftsleistung um bis zu 0,2 Prozent. Oxford Economics sieht bei rund 140 Dollar pro Barrel sogar den Kipppunkt für eine weltweite Rezession – mit spürbaren Einbrüchen in Europa, Großbritannien und Japan. (mb)