Anleger und deren Berater sollten trotz steigender Aktienkurse skeptischer werden. Denn die Hausse könnte aufgrund einer immer schlechteren Konjunktur auf tönernen Füßen stehen. Das zeigt sich derzeit auch bei einigen der jüngst gemeldeten Quartalszahlen. Wie M.M.Warburg in einer aktuellen Analyse festhält, haben im Vorfeld der Berichtssaison die Gewinnwarnungen deutscher Unternehmen zugenommen.

Nicht nur Unternehmen aus der zweiten Börsenliga wie Aumann, Krones und die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) haben ihre Erwartungen an das Jahr 2019 zurückgeschraubt. Mit Lufthansa, Daimler und BASF haben auch Unternehmen aus dem Dax ihre Ziele für dieses Jahr kassiert. Weitere Gewinnwarnungen sind laut M.M.Warburg wahrscheinlich. So haben auch Analysten in den vergangenen Wochen ihre Gewinnerwartungen reduziert. Wurde zu Beginn des Jahres noch mit einem Anstieg der Gewinne der Dax-Unternehmen von über zwölf Prozent gerechnet, wurde diese Zahl nun auf knapp fünf Prozent korrigiert.

Überraschend war das für M.M.Warburg nicht: In Anbetracht der weltweiten und insbesondere in Deutschland mittlerweile ausgeprägten Wachstumsschwäche und einer Rezession im Industriesektor war es eher verwunderlich, dass die Gewinnschätzungen erst jetzt so deutlich angepasst wurden und sogar vor einem Monat noch mit einem Gewinnwachstum von acht Prozent gerechnet wurde.

13 Prozent höhere Gewinne 2020?
Noch erstaunlicher seien jedoch die Erwartungen an die Gewinne für 2020. Auch wenn das Niveau aufgrund der Reduzierung der Erwartungen für 2019 gesunken ist, wird dennoch weiterhin mit einem Gewinnplus um 13 Prozent im kommenden Jahr gerechnet.

Dies sei eigentlich nur mit viel Konjunkturoptimismus oder der Möglichkeit der Ausweitung der Margen etwa über höhere Preise zu erklären. Inflation und Produzentenpreise zeigten diesen Spielraum aber kaum an und auch ein konjunktureller Aufschwung scheine angesichts schwacher Konjunkturdaten und Frühindikatoren sowie eines schwer lösbaren Handelskonflikts eher ein frommer Wunsch zu sein. (aa)