Für Anleger war es eine schöne Überraschung, als die Kurse für Aktien, Anleihen und Gold in den vergangenen Tagen synchron in die Höhe schossen. Viele Marktbeobachter fühlten sich daraufhin bestätigt, dass eine Rezession in weiter Ferne liegt. Und selbst wer skeptischer ist, traut sich angesichts solcher Entwicklungen nicht, das Wort "Rezession" in den Mund zu nehmen, beobachten die Analysten von M.M.Warburg in ihrem aktuellen Konjunkturbericht. Die Zurückhaltung muss aber nichts heißen. "Auch in der Vergangenheit wurden Rezessionen fast immer erst erkannt, wenn sie schon eingetreten waren", heißt es in dem Bericht.

Die größte Schwierigkeit liegt den Analysten zufolge in der Interpretation der Daten zur Konjunkturentwicklung. Verarbeitendes Gewerbe und der Dienstleistungssektor würden derzeit widersprüchliche Signale senden. "So sind wir uns relativ sicher, dass sich die globalen Industrieunternehmen schon in einer leichten Rezession befinden", schreiben die Analysten. Im Dienstleistungssektor sieht es für die Unternehmen aber deutlich anders als. "Der globale Einkaufsmanagerindex signalisiert mit einem Wert von 51,9 Punkten unverändert ein moderates Wachstum", heißt es in dem Bericht.

Europa in der Liquiditätsfalle
Für die Analysten entscheidet sich die Rezessionsfrage unter anderem an der Geldpolitik. Kann sie den wirtschaftlichen Abschwung stoppen? Die Marktbeobachter sind skeptisch: "Angesichts des schon seit Jahren zu beobachtenden niedrigen Zinsniveaus beschleicht uns die Sorge, dass weitere expansive Maßnahmen für die Realwirtschaft kaum noch zu nennenswerten positiven Effekten führen werden", schreiben sie.

In der volkswirtschaftlichen Theorie spricht man in diesem Fall von der sogenannten Liquiditätsfalle: Das höhere Geldangebot der Zentralbank regt den Konsum und die Investitionen von Unternehmen und Privathaushalten nicht mehr wie beabsichtigt an. Die Kreditnachfrage nimmt nicht zu, der erhoffte positive Effekt für das Wirtschaftswachstum fällt damit ins Wasser. "Dieses Phänomen ist in Japan schon seit fast zwei Jahrzehnten zu beobachten", schreiben die Analysten. Auch in der Eurozone werde dies immer stärker sichtbar. (fp)