Die Bewertungen für Aktien sind im Zuge der laufenden Rally rasant gestiegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den US-Index S&P 500 ist mit knapp 19 so hoch wie zuletzt im Januar 2018, berichten Analysten von M.M.Warburg. Ab jetzt also müssten steigende Unternehmensgewinne für weitere Impulse sorgen, sagen sie. Andere Marktbeobachter rechnen mit einem Gewinn-Plus von rund zehn Prozent in den kommenden zwei Jahren – bei der Privatbank hält man einen Zuwachs von sechs Prozent für realistischer. Bei unverändertem KGV könnte der S&P 500 dann auf 3.570 Punkte klettern.

Auch der Dax ist nicht mehr billig: Mit einem KGV von 14,4 ist er so hoch bewertet wie zuletzt im Frühjahr 2015. Die Gewinnerwartungen für die Dax-Konzerne sind mit plus elf Prozent für das laufende und plus zwölf Prozent für nächstes Jahr sogar noch ambitionierter als in den USA – bei schwächerer Konjunktur. "Unterstellt man wie beim S&P etwas geringere Zuwächse, muss man sich etwas strecken, um bei unveränderten Bewertungen zu einem Kursziel von 14.000 Punkten zu kommen", heißt es von M.M.Warburg.

U-Anleihen hui, S-Anleihen pfui
Sollten Schnäppchenjäger also besser in Anleihen investieren? Nein, sagen die Experten der Privatbank – denn Anleihen sind sogar noch teurer als Aktien. Auch sonst spricht kaum etwas für ein Investment in Zinspapiere. Die Kurse vieler Staatsanleihen dürften bald leicht fallen, prophezeien die Analysten. "Hierfür sprechen zum einen die etwas besseren Konjunkturdaten und zum anderen die Tatsache, dass die Inflation ihren Tiefpunkt durchschritten hat." Eine echte Zinswende ist zugleich nicht in Sicht.

M.M.Warburg setzt auf der Anleiheseite weiterhin auf Unternehmensanleihen, darunter sogar solche mit sehr schlechtem Rating. Grund: Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist gering und Anleger auf der Suche nach Rendite dürften die Kurse weiter in die Höhe treiben. (fp)