Gut Ding braucht Weile: So war es auch bei den zähen Verhandlungsrunden um ein EU-weites Corona-Wiederaufbauprogramm für die kommenden sieben Jahre. Am frühen Dienstagmorgen (21. Juli) um 5.31 Uhr war der Knoten dann endlich geplatzt: Mit Zuschüssen von 390 Milliarden Euro und zusätzlichen Krediten in Höhe von 360 Milliarden Euro sollen die wirtschaftlichen Folgen in den besonders hart von der Corona-Epidemie getroffenen Mitgliedsstaaten abgemildert werden. Im ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission waren 500 Milliarden Euro an Zuschüssen und 250 Milliarden Euro an Krediten vorgesehen gewesen.


Wie renommierte Experten bei Fondsgesellschaften, Banken und Vermögensverwaltern die gefassten Beschlüsse zur "Europäischen Schuldenunion" einschätzen, zeigt unsere Fotostrecke oben. 


Die Auszahlung von EU-Geldern aus dem Haushalt soll künftig an die Einhaltung von Rechtsstaatlichkeit gekoppelt werden, wogegen sich insbesondere Ungarn und Polen lange Zeit gewehrt hatten und mit einem Veto gegen das Finanzpaket gedroht hatten. Mittels einer Kompromissformel konnten die Bedenken der osteuropäischen Staaten gegen diese Regelung ausgeräumt werden

Die Rabatte für Netto-Beitragszahlungen in den EU-Haushalt werden erhöht. Darauf hatten insbesondere die sogenannten “sparsamen Vier”, also Dänemark, Schweden, Österreich und die Niederlande, gedrungen. Deutschland erhält als Beitragszahler weiterhin einen Rabatt von 3,67 Milliarden Euro pro Jahr. Italien, das ursprüngliche europäische Epizentrum der Pandemie, wird wahrscheinlich der größte Nutznießer des Plans sein und erwartet nach ersten Schätzungen Zuschüsse in Höhe von rund 82 Milliarden Euro und Darlehen in Höhe von rund 127 Milliarden Euro, sagte ein hochrangiger italienischer Beamter laut "Bloomberg". (aa)